Zu einer seltenen Partnerschaft haben sich die Technologiegiganten Apple und Google zusammengefunden. Sie haben am Freitag eine neue Funktion für ihre Smartphone-Betriebssysteme vorgestellt: Handy-Nutzer sollen künftig alarmiert werden, wenn sie Kontakt zu einem Covid-19-Infizierten hatten. Das berichtete die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg.

Nutzer müssten dazu einwilligen. Theoretisch könnten dadurch rund drei Milliarden iOS- bzw. Android-Nutzer erreicht werden. Die Unternehmen setzen dabei auf das Erkennen von Abständen mit Bluetooth-Funktechnik und Verschlüsselung.

In einem ersten Schritt wollen die Unternehmen Mitte Mai ermöglichen, dass die Smartphones anonyme Informationen über Apps, die von den nationalen Gesundheitsbehörden betrieben werden, austauschen. In der Praxis soll das folgendermaßen funktionieren: Ein Corona-Infizierter trägt seine Daten in die Corona-Gesundheits-App seines jeweiligen Landes an. Benutzer, die ihm in den vergangenen Tagen nahgekommen sind, werden dann über den Kontakt informiert.

Datenschutzrechtliche Fragen

Die Funktionen wirft datenschutzrechtliche Bedenken auf, da es um das Teilen sensibler Gesundheitsdaten geht. Apple und Google versuchen die Zweifel zu zerstreuen und betonen, dass die Privatsphäre der Nutzer gewahrt bleibe.

Das Konzept sieht vor, dass Smartphones unabhängig vom verwendeten Betriebssystem temporäre Identifikationsnummern austauschen können, so dass die Privatsphäre der Anwender gewahrt bleibt. Damit ähnelt das Konzept der beiden Konzerne dem Ansatz der paneuropäischen Initiative PEPP-PT, die von 130 Wissenschaftern und Entwicklern aus acht europäischen Ländern vorgestellt wurde.

Apple und Google wollen die Kontaktdaten aber nur auf den Smartphones der Anwender speichern, nicht auf einem zentralen Server. Erst wenn jemand mit Covid-19 positiv getestet wurde, werde die Information an einen Server übertragen, wenn der Betroffene dem zustimme. Die anderen Smartphones rufen bei diesem Konzept regelmäßig eine Liste der anonymisierten IDs der Erkrankten ab, um zu sehen, ob sie selbst Kontakt mit einer infizierten Person hatten. Google und Apple und Google wollen dabei unter anderen sicherstellen, dass der ständige Austausch der ID-Nummern die Batterielaufzeit der Geräte nicht erheblich verkürzt.

Zweiter Schritt in kommenden Monaten

In einem zweiten Schritt werden die beiden Unternehmen "in den kommenden Monaten" daran arbeiten, eine umfassendere, Bluetooth-basierte Plattform zur Nachverfolgung von Kontakten zu ermöglichen. Diese Funktionalität würde dann direkt in das Betriebssystem, also iOS und Android, integriert. "Dies ist eine stabilere Lösung als eine Programmierschnittstelle und wird es mehr Einzelpersonen ermöglichen, sich nach ihrer Entscheidung nach einer aktiven Zustimmung (Opt-in) zu beteiligen." Darüber hinaus werde die Interaktion mit einem breiteren Ökosystem von Apps und staatlichen Gesundheitsbehörden möglich.

Apple und Google wollen den Programmcode der Initiative zur freien Einsicht veröffentlichen, um möglichst viel Vertrauen zu schaffen. Die Firmen betonten, bei dem Projekt würden keine Benutzer identifiziert und keine Ortungsdaten verwendet. "Google und Apple sehen nicht, wer krank oder wer gesund ist." Den Benutzern werde auch deutlich gemacht, wie sich sie beteiligen können oder auch, wie sie eine Beteiligung ablehnen können. Bei der Information über Infektionen würden die Gesundheitsbehörden beteiligt.

Anwender, die von der Initiative von Google und Apple profitieren wollen, müssen dafür das Betriebssystem aktualisieren. Google erklärte, man werde Android-Geräte ab der Version Marshmellow (Android 6) unterstützen. Apple sagte, man werde dafür sorgen, dass quasi sämtlichen iOS-Geräte mit einem entsprechenden Update versorgt würden. (apa/dab)