Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet wegen der wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise mit einem beispiellosen Rückgang der Nachfrage nach Rohöl. Im laufenden Jahr dürfte die Nachfrage um 9,3 Millionen Barrel pro Tag einbrechen, hieß es im Monatsbericht des Interessenverbands von Industriestaaten, der am Mittwoch in Paris veröffentlicht wurde. Darin ist von einem Rekord-Rückgang der Nachfrage die Rede.

Vor allem im April dürfte die Nachfrage nach Rohöl von der Coronakrise hart getroffen werden. Die IEA-Experten erwarten einen Einbruch des globalen Treibstoffverbrauchs um nahezu ein Drittel. Mit dem Rückgang dürfte im April ein Niveau erreicht werden, dass es zuletzt 1995 gegeben hatte.

Auch im zweiten Quartal, also in den Monaten April bis Juni, dürfte der Verbrauch drastisch unter dem des Vorjahreszeitraums liegen. Erst in der zweiten Jahreshälfte sei mit einer "graduellen Erholung" der Nachfrage zu rechnen, hieß es in dem Bericht. Im Dezember dürfte sie aber immer noch um 2,7 Millionen Barrel pro Tag niedriger sein als ein Jahr zuvor.

In den kommenden Monaten ist laut dem Monatsbericht aber auch mit einem starken Rückgang des Angebots an Rohöl auf dem Weltmarkt zu rechnen. Führende Ölstaaten hatten bei einem Treffen der "Opec+", einem Zusammenschluss der Opec und anderer Förderländer, eine Senkung der Ölproduktion um täglich 9,7 Millionen Barrel für die Monate Mai und Juni beschlossen.

Förderkürzung auch in Nicht-Opec-Ländern zu erwarten

Nach Einschätzung der IEA ist auch mit einer Förderkürzung von Ländern außerhalb der Opec zu rechnen, darunter vor allem die USA und Kanada. Insgesamt dürfte sich der Rückgang des Angebots im Mai demnach auf 12 Millionen Barrel pro Tag summieren.

Am Ölmarkt sind die Preise nach Veröffentlichung der IEA-Prognose gesunken. Der Preis für US-Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel am Vormittag bis auf 19,20 US-Dollar (17,50 Euro) je Barrel und damit auf den tiefsten Stand seit 2002. (dpa/kle)