Zumindest aus Tschechien scheint ein kleiner Hoffnungsschimmer über die Grenze. Von dort könnten nämlich im Sommer Gäste nach Österreich kommen. Nach Aussagen des tschechischen Außenministers Tomas Petricek können Touristen ab Juli oder sogar schon früher Österreich und die benachbarte Slowakei besuchen, wenn sich die Coronavirus-Pandemie in der Region günstig entwickle. Außerdem glaubt der Sozialdemokrat an eine Rückkehr in den Schengen-Raum, wo Reisen ohne Passkontrollen möglich ist, ab Juli.

Die österreichische Tourismusbranche muss sich dennoch auf düstere Monate einstellen. Schon jetzt sind die Einbrüche massiv, die die Corona-Krise verursacht hat, und laut Wirtschaftsprognosen ist an ein touristisches Normaljahr nicht mehr zu denken. In so einem sorgt der Sektor für beinahe 16 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Nun drohen Verluste in Milliarden-Euro-Höhe, wohl im zweistelligen Bereich.

Die Hoteliers und Gastwirte fordern schon seit einiger Zeit mehr Klarheit über die Schritte zur Wiederöffnung der geschlossenen Betriebe - sowie Vereinbarungen mit anderen Ländern. Denn es sind beispielsweise deutsche Gäste, die einen großen Teil der Touristen ausmachen. Doch bisher reagierte die Regierung in Berlin eher kühl auf Vorschläge von Amtskollegen in Wien zu bilateralen Vereinbarungen.

So dämpfte der deutsche Außenminister Heiko Maas am Wochenende die Erwartungen an eine baldige Reisefreiheit. "Ein europäischer Wettlauf darum, wer touristische Reisen zuerst wieder zulässt, führt zu unvertretbaren Risiken", erklärte er "Bild am Sonntag". Und er verwies auf den österreichischen Skiort Ischgl: "Was ein Infektionscluster in einem beliebten Urlaubsgebiet in den Heimatländern der Touristen anrichten kann, haben wir bereits erlebt."

Lösungssuche auf EU-Ebene

Sein österreichischer Amtskollege Alexander Schallenberg beschwichtigte prompt, ebenfalls via "Bild"-Zeitung. Das Land werde den Betrieb nur behutsam hochfahren, betonte er: "Grenzüberschreitender Tourismus wird nur vorsichtig und Schritt für Schritt wieder möglich sein."

Beide Politiker sprachen sich dafür aus, die Diskussion ebenfalls auf EU-Ebene zu führen. Darüber haben denn auch am Montag die für Tourismus zuständigen Minister bei einer Videokonferenz beraten. Demnach wollen sich die Mitgliedstaaten bei der Aufhebung der geltenden Reisebeschränkungen abstimmen - was aber nicht bedeutet, dass die Termine nicht unterschiedlich sein können, wie ein Sprecher des deutschen Außenministeriums unterstrich. In Berlin soll bis zum 3. Mai über die aktuelle Reisewarnung entschieden werden. Jedenfalls sollen Fortschritte bei der Bekämpfung der Pandemie nicht über zu schnelle Lockerungen wieder gefährdet werden.

Denn dem Drängen aus der Wirtschaft nach schneller Öffnung steht die Sorge gegenüber, möglicherweise neue Infektionsherde zu schaffen. Entscheidend bei der "behutsamen" Öffnung sei daher "der ständige Blick auf die Infektionszahlen und die Evaluierung von Gesundheitsdaten", sagte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger nach dem digitalen Treffen mit ihren Amtskollegen. Lösungen sollen in Kooperation mit Partnerländern und der EU-Kommission erarbeitet werden. Jedoch erwartet Köstinger "grundsätzlich noch längere Zeit" starke Reiseeinschränkungen.

Buchung für den Strand

Das wird die Branche in so manchem europäischen Land hart treffen. Immerhin findet laut Tourismusministerium die Hälfte des weltweiten Tourismus in der EU statt. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erwartet schon einen Rückgang zwischen 45 und 70 Prozent in diesem Sektor. Allein der italienische Fremdenverkehr bezifferte die möglichen Verluste auf bis zu 120 Milliarden Euro.

Dennoch wollen die südeuropäischen Länder die mit den Sommerurlaubern verknüpften Hoffnungen noch nicht völlig aufgeben. In Portugal horten schon einige Hotels Vorräte an Desinfektionsmitteln und Mundschutzmasken, in Italien suchen Badeanstalten nach Möglichkeiten zur Besuchersteuerung. In Riccione, im Norden des Landes, muss etwa ein Strandaufenthalt im Voraus gebucht werden. Weiter südlich wiederum, auf der Insel Ischia, gibt es die Idee, künstlich mehr Platz zu schaffen - mit schwimmenden Plattformen vor dem Strand.(apa/reu)