Der Sommer naht, und viele Menschen haben heuer mehr Freizeit, als ihnen lieb ist -  weil sie wegen der Corona-Krise in Kurzarbeit sind oder überhaupt ihren Job verloren haben. Es fällt schwer, an Urlaub zu denken, wenn das Geld knapp ist und die Zukunft ungewiss. Andererseits braucht der heimische Tourismus jeden Gast.

Während hierzulande noch überlegt wird, ob man die Nachfrage durch Ausgabe von Gutscheinen für einen Urlaub in Österrech ankurbeln könnte, ist Italien schon einen Schritt weiter. Zur Förderung des Tourismus nach Ende der entsprechenden Beschränkungen in der Coronakrise plant die italienische Regierung im Rahmen eines 55 Milliarden Euro schweren Hilfspakets, das am Montag verabschiedet werden soll, unter anderem einen "Urlaubsbonus" von 500 Euro. Damit will sie Familien mit Kindern und niedrigerem Einkommen unterstützen und zugleich zum Neustart des Tourismus in Italien beitragen. Von dem Bonus sollen Familien mit einem Jahreseinkommen bis zu 35.000 Euro profitieren. Sie können ihn zwischen dem 1. Juli und 31. Dezember 2020 nutzen.

Premier Conte: "Ans Meer, in die Berge"

Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte hat seinen Landsleuten in der Coronakrise Hoffnung auf einen Sommerurlaub am Strand gemacht. "Diesen Sommer werden wir nicht auf dem Balkon verbringen, und die Schönheit Italiens wird nicht in Quarantäne bleiben. Wir können ans Meer fahren, in die Berge, unsere Städte genießen", sagte Conte der Zeitung "Corriere della Sera" (Sonntag). Ob Touristen aus dem Ausland kommen dürfen, sagte er nicht.

Derzeit dürfen die Italiener nicht von einer Region in die andere fahren - nur aus triftigen Gründen. Es sei noch nicht klar, wann genau die Menschen wieder reisen könnten, sagte Conte. "Wir warten auf die Entwicklung des epidemiologischen Rahmens, um genaue Angaben zu Daten und Planung zu machen." Die Zahl der Neuansteckungen in Italien geht seit längerem zurück.

Der italienische Tourismus rechnet wegen der Coronakrise mit einem katastrophalen Jahr 2020. Die Branche bezifferte die möglichen Verluste auf 120 Milliarden Euro. Im Zeitraum März bis Ende Mai erwartet die Touristikbranche 30 Millionen weniger Übernachtungen.

Alarm schlägt Italiens Hotelierverband Federalberghi. 95 Prozent der Hotels in Italien sind bereits seit Ende Februar geschlossen. Laut Bernabo Bocca, Präsident des Verbands mit 27.000 Mitgliedern, kann der inländische Tourismus den Wegfall der ausländischen Besucher nur zum Teil kompensieren. Italienische Gäste machten 2019 zwar 50 Prozent aller Übernachtungen aus, sie generierten jedoch lediglich 30 Prozent der Hotelumsätze. (apa/dpa)