Eine vollständige Erholung der US-Wirtschaft könnte nach Einschätzung des Chefs der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Jerome Powell, bis Ende nächsten Jahres dauern. "Die Wirtschaft wird sich erholen", sagte Powell dem Sender CBS  am Sonntag. Unter der Annahme, dass es keine zweite Welle des Coronavirus gebe, rechne er mit einer stetigen Erholung im zweiten Halbjahr diesen Jahres.

Der Prozess könne sich dann bis Ende nächsten Jahres hinziehen. Powell schloss nicht aus, dass eine Voraussetzung ein Impfstoff gegen das Virus sein könnte. "Damit sich die Wirtschaft vollständig erholen kann, müssen die Menschen volles Vertrauen haben." Dafür sei womöglich ein Impfstoff notwendig.

Trump hofft auf Impfstoff bis Ende 2020

US-Präsident Donald Trump treibt die Entwicklung eines Impfstoffs voran und hofft auf einen Einsatz bis Ende des Jahres. Er machte am Freitag jedoch deutlich, dass ein Impfstoff aus seiner Sicht nicht Voraussetzung für eine Erholung der Wirtschaft ist. "Impfstoff oder kein Impfstoff: Wir sind zurück", sagte er mit Blick auf die von ihm angestrebte Wiedereröffnung der Wirtschaft.

Das komplette Interview sollte in der Nacht auf Montag ausgestrahlt werden. Die Chefs der US-Notenbank wenden sich vergleichsweise selten auf diese Art an ein größeres Publikum.

Seltener Schritt zum Fernseh-Interview

Powells Auftritt in der Sendung "60 Minutes" ist bereits sein zweites Fernsehinterview, seitdem die US-Notenbank den Kampf gegen die Folgen der Epidemie aufgenommen hat. Powell hatte zuletzt vor einer langen Durststrecke der Wirtschaft gewarnt und damit die Börsen aufgeschreckt.

Die Federal Reserve hat ihren Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld auf die Spanne von null bis 0,25 Prozent gesenkt und umfangreiche Unterstützungsprogramme für die Wirtschaft in Billionenhöhe aufgelegt. Sie steht unter Druck der US-Regierung, weitere Maßnahmen zu ergreifen: Präsident Trump fordert Negativzinsen. (dpa/apa)