Die Coronakrise hat in Europa die Arbeitsmärkte voll erfasst, wie sich neben den hohen Arbeitslosenzahlen auch in der starken Nachfrage nach Kurzarbeit zeigt. Alleine in den fünf größten Volkswirtschaften Europas seien 40 Millionen Menschen in Kurzarbeit, teilte die Agenda Austria am Montag mit. Anteilsmäßig liege Österreich an zweiter Stelle, nur in der Schweiz ist der Anteil höher.

Der Anteil der Kurzarbeit in Prozent der Erwerbswilligen (Arbeitskräftepotenzial: Erwerbstätige und Arbeitslose) lag den Agenda-Austria-Angaben zufolge in Österreich im April bei 29 Prozent, in der Schweiz waren es 40,1 Prozent. An dritter Stelle der insgesamt sieben untersuchten Länder befand sich Belgien (25,8 Prozent), gefolgt von Irland (25,4 Prozent) und Deutschland (23,8 Prozent). Am geringsten war der Kurzarbeitsanteil in Schweden mit 9,4 Prozent.

Der Anteil der seit März Arbeitslosen lag in Österreich bei 4,2 Prozent und damit am höchsten. Dahinter folgten Großbritannien und Spanien mit je 2,6 Prozent. Die geringsten Werte wiesen Belgien (0,5 Prozent), Deutschland (0,6 Prozent) und Schweden (0,7 Prozent) auf. Bereits vorher arbeitslos waren in Österreich 7,4 Prozent des Arbeitskräftepotenzials. Deutlich mehr waren es etwa in Spanien (14,2 Prozent) und Belgien (9,4 Prozent). Am besten schnitten hier Schweden und Großbritannien mit je 3,9 Prozent ab, wie aus der Untersuchung der wirtschaftsliberalen Denkfabrik Agenda Austria hervorgeht.

Um den Arbeitsmarkt zu entlasten und Menschen in Beschäftigung zu bringen, brauche es nicht nur eine Subvention bestehender Arbeitsverhältnisse, sondern auch einen Anreiz für Neueinstellungen, bekräftigte Agenda-Austria-Ökonom Denes Kucsera. Die Agenda Austria hat in der Vorwoche eine Studie für die Weiterentwicklung der Kurzarbeit und eine Förderung für die Schaffung neuer Jobs präsentiert. Vorgeschlagen wurde darin unter anderem die befristete Streichung der Sozialbeiträge für neu geschaffene Arbeitsplätze. Eine mögliche Verlängerung der Kurzarbeit, für die die Sozialpartner plädierten, sollte mit einer schrittweisen Zurücknahme der Subvention einhergehen. Bei längerer Nutzung der Kurzarbeit könnte der Staat z.B. nur mehr bis zu 70 Prozent der Arbeitskosten übernehmen. Derzeit ist es möglich, die Arbeitszeit um bis zu 90 Prozent zu reduzieren. "Um die langsame Erholung zu stimulieren, könnte die Kurzarbeit künftig etwa nur noch für Arbeitszeit-Reduktionen von bis zu 50 Prozent ermöglicht werden", so die Empfehlung.

Insgesamt seien in Österreich Mitte Mai 1,3 Millionen Arbeitnehmer in Kurzarbeit gewesen. In Deutschland beispielsweise waren es laut Agenda Austria Ende April 10,1 Millionen gewesen, in Großbritannien 6,3 Millionen, in Spanien 4 Millionen und in der Schweiz 1,9 Millionen. (apa)