Mit den ersten Lockerungen in der Corona-Krise hellt sich auch die Verbraucherlaune in Deutschland wieder etwas auf. Für Juni sagen die GfK-Marktforscher einen Anstieg ihres Barometers um 4,2 auf minus 18,9 Punkte voraus. Zuletzt war das Konsumklima noch auf ein Rekordtief eingebrochen. "Die Verbraucher in Deutschland erholen sich im Mai ein wenig vom Schock, der durch die Covid-19-Pandemie ausgelöst wurde", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl am Dienstag. Die schrittweise Öffnung vieler Geschäfte habe sicher dazu beigetragen, dass die Konsumneigung keine weiteren Einbußen hinnehmen müsse und sogar etwas zulegen könne. "Dennoch ist die Verunsicherung unter den Konsumenten groß."

Die Viruskrise trifft die Konjunktur mit voller Wucht. Sinkende Konsumausgaben und schrumpfende Investitionen ließen die deutsche Wirtschaft bereits zum Jahresanfang einbrechen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) fiel von Januar bis März um 2,2 Prozent zum Vorquartal und damit so stark wie seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 nicht mehr. "Die Konsumenten sehen die deutsche Wirtschaft bei weitem noch nicht über den Berg und eine schwere Rezession auf sich zukommen", sagte Bürkl. "Die Angst vor Jobverlust bleibt hoch und dies erweist sich neben den Einkommenseinbußen derzeit als ein wichtiges Konsumhemmnis." Darauf müssten sich Händler und Hersteller weiter einstellen.

Weit unter dem Durchschnittswert

Nach zwei Rückgängen in Folge legte die Konjunkturerwartung der Verbraucher im Mai wieder etwas zu, blieb aber deutlich unter dem langjährigen Durchschnittswert. Die Wirtschaft werde nun schneller wieder hochgefahren, als noch vor einigen Wochen vermutet, erklärte Bürkl. "Damit steigt auch die Hoffnung der Verbraucher, dass ein Debakel auf dem Arbeitsmarkt verhindert wird."

Die Konsumenten schätzten ihre künftige Finanzlage - nach dem drastischen Rückgang im Vormonat - nun wieder einen Tick besser ein. Dennoch führten Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit bei vielen Haushalten zu deutlichen Einkommenseinbußen. "Für eine Reihe von Selbstständigen, etwa aus dem Kulturbereich, ist noch kein Ende des Lockdowns abzusehen." Ihre Einkünfte liegen demnach weiter bei null. Die Bereitschaft wieder größere Einkäufe anzugehen hat sich derweil leicht erhöht. (reuters)