Die Preise in der Eurozone sind im Mai fast gar nicht mehr gestiegen. Das Statistikamt Eurostat teilte am Freitag mit, die jährliche Inflation liege nach vorläufigen Erkenntnissen bei 0,1 Prozent. Ökonomen hatten genau damit gerechnet. Im April waren es noch 0,3 Prozent.

Die Daten werden der Europäischen Zentralbank (EZB) Kopfzerbrechen bereiten. Denn sie strebt eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent an, verfehlt dieses Ziel aber seit Jahren trotz niedriger Zinsen und billionenschwerer Anleihekäufe.

Die größten Preissteigerungen gab es laut Eurostat im Mai bei Lebensmitteln, Alkohol und Tabak mit 3,3 Prozent, Dienstleistungen verteuerten sich um 1,3 Prozent. Industriegüter wurden dagegen nur 0,2 Prozent teurer. Bei Energie gab es einen Rückgang von 12 Prozent.

Italiens Notenbankchef Ignazio Visco sagte, die Geldpolitik müsse sich gegen Deflationsrisiken stemmen. Er verwies auf die deutlich schrumpfende Wirtschaft im Zuge der Coronavirus-Krise. Fallende Preise gelten als gefährlich, weil Unternehmen dann kaum noch investieren und sich Konsumenten zurückhalten.

Für Österreich liegt von Eurostat noch keine Schätzung der Jahresinflationsrate für Mai vor. Im April war sie auf 1,5 Prozent gesunken (nach 1,6 Prozent im März). (apa/reuters)