Während in Deutschland noch über das geplante Konjunkturpaket gegen die Auswirkungen der Corona-Krise diskutiert wird - ob es auch Kaufprämien für Autos mit Verbrennungsmotoren geben soll -, gibt es in Frankreich seit Montag Kaufprämien für umweltfreundlichere Pkw. Der Kauf eines neuen Elektroautos wird nun bei Privatpersonen mit 6000 bis 7000 Euro gefördert, bei Unternehmen und anderen Institutionen mit 3000 bis 5000 Euro. Beim Kauf eines Hybridfahrzeugs gibt es einen Bonus von 2000 Euro.

Die Abwrackprämie für Diesel-Autos wird bis einschließlich 31. Dezember auf maximal 1000 Euro verdoppelt, außerdem gibt es Fördergelder für den Kauf von Elektro-Fahrrädern. Das gesamte Hilfspaket, dessen Maßnahmen teils befristet sind, hat einen Umfang von einer Milliarde Euro. Staatschef Emmanuel Macron will die angeschlagene Automobilindustrie seines Landes mit insgesamt mehr als acht Milliarden Euro stützen, etwa durch Darlehen und Kurzarbeitergeld. Die Branche sichert in Frankreich rund 400.000 Arbeitsplätze.

Die Neuwagenverkäufe gingen im Mai wegen der Corona-Beschränkungen um mehr als 50 Prozent zurück, wie am Montag veröffentlichte Branchenzahlen zeigen. Dennoch stellten die Autohersteller erste Anzeichen einer Erholung fest, nachdem Autohändler ab Mitte Mai wieder öffnen durften.

Verschrottungsprämien entzünden Strohfeuer

Kaufprämien kurbeln nach einer aktuellen Einschätzung des deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) zwar kurzfristig die Autoverkäufe an, mittelfristig werden aber kaum mehr Fahrzeuge abgesetzt. Abwrackprämien hätten in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 "zumindest kurzzeitig den Autoabsatz belebt, das ist sicher belegt", erklärte der Ifo-Forscher Felix Rösel am Sonntag in Dresden. "Auf die Party folgte jedoch der Kater."

Fast alle Studien zeigten, dass viele Verbraucher damals aufgrund der Prämie einfach Autokäufe vorgezogen hätten, die ohnehin geplant waren. "Unter dem Strich geben die meisten Studien keinen Hinweis, dass durch die Prämien mehr Autos verkauft werden", erklärte Rösel. Für die Überblicksstudie werteten die Wirtschaftsforscher nach eigenen Angaben 15 datengestützte Untersuchungen zu Abwrackprämien in Deutschland, Spanien, den USA und weiteren Ländern aus.

Kaufprämien für Autos könnten außerdem unbeabsichtigte Nebenwirkungen für andere Branchen haben, erklärte das Ifo-Institut weiter. "Wer den Autokauf vorzieht, hat in dem Moment weniger Geld für Möbel", gab Rösel zu bedenken. "Das Plus der Autobranche kann deshalb schnell zum Minus anderer Sektoren werden." Nicht eindeutig belegt seien zudem die Auswirkungen von Kaufprämien für die Umwelt.

CO2-Einsparungen
nicht nachgewiesen

In den USA sei durch die Abwrackprämie der CO2-Ausstoß gesunken, da vor allem kleine und sparsame Autos gefördert wurden. In Deutschland und Europa hätten Kraftstoff- und CO2-Einsparungen hingegen nicht nachgewiesen werden können. Die Spitzen der großen Koalition in Deutschland treffen sich am Dienstag im Kanzleramt, um über das Konjunkturpaket zu Belebung der Wirtschaft in der Corona-Krise zu beraten. Prämien für den Kauf von Neuwagen mit Verbrennungsmotor sind dabei besonders umstritten. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) plant ein Prämien-Konzept auch für Benziner und Diesel.