Im Euroraum waren im April 11,919 Millionen Menschen arbeitslos - um 211.000 mehr als noch im März.  Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote betrug laut Eurostat 7,3 (nach 7,1) Prozent. Der Anteil der Erwerbslosen an der Erwerbsbevölkerung.

Vergleichsweise geringe Werte bei der Arbeitslosenquote im April gab es  in den Niederlanden (3,4 Prozent) und in Deutschland (3,5 Prozent). Die höchsten Werte verzeichneten Griechenland (16,1 Prozent im Februar) und Spanien (14,8 Prozent). Die Arbeitslosenquote Österreichs betrug im April - nach Eurostat-Definition - wie auch schon im März 4,8 Prozent. Nach nationaler Definition betrug die Quote im April hingegen 12,8 Prozent, im Mai 11,5 Prozent.

In den 27 Ländern der EU stieg die Quote um 0,2 Punkte auf 6,6 Prozent. In der EU seien 14,08 Millionen Personen arbeitslos gewesen, so Eurostat. Gegenüber März erhöhten sich die Zahlen in der EU um 397.000.

Viele stellten aktive Jobsuche ein

Die Zahlen zur Arbeitslosigkeit sind wegen der Viruskrise verzerrt. So suchte laut Eurostat ein erheblicher Teil derjenigen Menschen, die sich bei Arbeitsämtern angemeldet hatten, nicht mehr aktiv nach einem Arbeitsplatz, etwa aufgrund der Einschränkungsmaßnahmen oder wegen Nichtmehrverfügbarkeit, zum Beispiel, wenn sie während des Lockdowns ihre Kinder betreuen. Dies habe zu Abweichungen bei der Zahl der registrierten Arbeitslosen und derjenigen geführt, die gemäß der Definition der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) als arbeitslos eingestuft werden.

Die Angaben von Eurostat basieren auf der weltweit verwendeten Standarddefinition der Arbeitslosigkeit der ILO, die Arbeitslose als Personen definiert, die in den letzten vier Wochen aktiv nach Arbeit gesucht haben und innerhalb der beiden nächsten Wochen eine Arbeit beginnen können.

Ein weiterer Grund für den verhältnismäßig geringen Anstieg der Arbeitslosigkeit sind die verschiedenen Formen von Kurzarbeit, die sofortige Entlassungen in Krisenzeiten verhinderten. Arbeitnehmer müssen sich nicht erwerbslos melden, weil sie davon ausgehen, dass sie in einigen Wochen oder Monaten wieder in ihrem alten Job arbeiten können.

Derartige Effekte führten in einigen Ländern im April sogar zu einem Rückgang der Arbeitslosigkeit. Dies war der Fall in Italien, einem der am härtesten von der Pandemie getroffenen Länder. Dort sank die Arbeitslosenquote deutlich von 8,0 auf 6,3 Prozent. Auch in Dänemark wurde ein leichter Rückgang von 4,7 auf 4,6 Prozent verzeichnet.

Andrew Kenningham, Chefvolkswirt für Europa vom Analysehaus Capital Economics, schrieb: "Der bemerkenswert geringe Anstieg der Arbeitslosigkeit in der Eurozone spiegelt den Erfolg der staatlichen Unterstützungsprogramme und den Umstand wider, dass in Italien viele Menschen den Arbeitsmarkt verlassen haben." Er vermutet, dass die Arbeitslosenquote in den kommenden Monaten weiter steigen wird, aber nicht so stark, wie er befürchtet hatte.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Eurozone war im ersten Quartal um 3,8 Prozent eingebrochen. Für das laufende zweite Quartal rechnen Ökonomen mit einem Minus im zweistelligen Prozentbereich. Die Euro-Länder hatten mit Geschäftsschließungen und Beschränkungen des öffentlichen Lebens auf den Virus-Ausbruch reagiert, was weite Teile der Wirtschaft lähmte. (apa/reuters/dpa)