Die Arbeitslosenquote in den USA ist überraschend gesunken und lässt auf ein Abklingen der Folgen der Corona-Krise hoffen. Die Rate ging im Mai auf 13,3 Prozent von 14,7 Prozent im April zurück, wie die Regierung am Freitag mitteilte. Experten hatten mit einem Anstieg auf 19,8 Prozent gerechnet.

Die überraschende Entspannung am Arbeitsmarkt beflügelte auch die US-Börsen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte kletterte um 2,8 Prozent auf 27.024 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 stieg um 2,3 Prozent auf 3182 Zähler, und der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 1,6 Prozent auf 9774 Punkte.

Wie aus einer getrennt ermittelten Umfrage hervorgeht, wurden in den USA im vorigen Monat rund 2,5 Millionen Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen. Die von Reuters befragten Ökonomen wurden auch hier auf dem falschen Fuß erwischt: Sie hatten mit einem Abbau von acht Millionen gerechnet. US-Präsident Donald Trump beglückwünschte sich selbst auf Twitter zu dem "wirklich großartigen Job-Bericht".

"Der Weg zurück ist noch weit"

"Die USA scheinen schneller durch die Krise zu kommen als befürchtet", so Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner. Die Lockerung der Kontaktbeschränkungen und das allmähliche Wiederanfahren der Wirtschaft habe Arbeitgeber offenbar dazu bewogen, einen Teil der entlassenen Belegschaft wieder zurückzuholen: "Allerdings ist der Weg zurück noch weit, wurden doch im März und April zusammen über 22 Millionen Personen entlassen", so das Fazit des Ökonomen.

Die US-Arbeitslosenquote wird durch eine Umfrage erhoben und  repräsentiert nur den Anteil der mindestens 16-Jährigen, die nicht arbeiten, aber sich aktiv um einen Job bemühen.

Volkswirt Ulrich Wortberg von der Helaba verweist darauf, dass im Mai auch die Stundenlöhne nachgaben: "Möglicherweise werden schlechter bezahlte Jobs wieder verstärkt aufgebaut. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Verbesserung am Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten fortsetzt", so Wortberg. Wie schnell eine "Art Normalität" zurückkehre, lasse sich schwer abschätzen.

Die US-Währungshüter um Federal-Reserve-Chef Jerome Powell haben bereits billionenschwere geldpolitische Stützungsprogramme in der Krise aufgelegt. Ihren Leitzins hat die Fed in der Krise auf die Spanne von null bis 0,25 Prozent abgesenkt. Experten erwarten, dass sie ihn auf der nächsten Sitzung am kommenden Mittwoch konstant halten wird: "Negativzinsen kommen für die Fed weiterhin nicht in Frage", meint Commerzbank-Experte Weidensteiner. (Reuters)