Wie erwartet, hat die US-Notenbank Fed ihren Leitzins nicht angetastet. Er verharrt damit in einer Spanne von null bis 0,25 Prozent, wie aus einer Mitteilung vom Mittwoch nach der Zinssitzung in Washington hervorgeht. Volkswirte hatten einhellig mit dieser Entscheidung gerechnet. Bereits auf ihrer letzten Sitzung Ende April hatte die Notenbank den Leitzins nicht verändert.

Die Fed hat ihn seit dem Übergreifen der Corona-Krise auf die USA im März in zwei großen Schritten auf fast null Prozent gesenkt. Anfang März hatte der Leitzins noch zwischen 1,50 und 1,75 Prozent gelegen.

Die bisherige Reaktion der Fed auf die Corona-Krise ist beispiellos und stellt selbst ihr Eingreifen in der Finanzkrise in den Schatten. Neben Zinssenkungen wurden Wertpapierkäufe in bisher ungekanntem Ausmaß getätigt und zahlreiche Kreditprogramme zur Stützung der Wirtschaft aufgelegt. Die meisten geldpolitischen Entscheidungsträger gehen davon aus, dass das derzeitige Zinsniveau bis Ende 2022 beibehalten wird.

Leitzinsen EZB Eurozone und Fed - Kurvengrafik GRAFIK 0138-19, 88 x 70 mm - © APA
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Erhebliche konjunkturelle Risiken

Die Corona-Krise werde die Wirtschaft, den Arbeitsmarkt und die Inflation stark belasten, teilte die Fed mit. Es bestünden erhebliche konjunkturelle Risiken. Für dieses Jahr rechnet die Notenbank mit einer Schrumpfung der Wirtschaft um 6,5 Prozent, gefolgt von einem Wachstum um 5,0 Prozent im kommenden Jahr. Die Arbeitslosenquote dürfte in diesem Jahr 9,3 Prozent betragen und 2021 auf 6,5 Prozent sinken. Die Inflation wird den Prognosen zufolge bis 2022 unter dem Ziel der Fed von 2 Prozent liegen.

Auch wenn die durch Corona ausgelöste Massenarbeitslosigkeit zuletzt etwas zurückgegangen ist, treibt die Notenbank die Sorge vor einer weiteren Corona-Welle um, die die Konjunkturerholung untergraben könnte. Auf dem Höhepunkt der Pandemie hatte die Notenbank die trudelnde Wirtschaft mit einem billionenschweren Notfallpaket stabilisiert. Zu Wochenbeginn hat sie nachjustiert und die Bedingungen ihres Kreditprogramms für kleinere und mittlere Unternehmen gelockert.

Leicht ins Plus

An den US-Börsen baute der Nasdaq-Index nach der Zinsentscheidung seine Gewinne aus. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte und der S&P-500-Index drehten leicht ins Plus. Die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanliehen stiegen zunächst, fielen dann aber auf ein Tagestief. Der Dollar gab zum Yen nach, zum Euro sank er auf ein Dreimonatstief. Die Hoffnung auf eine rasche Belebung der US-Wirtschaft nach starken Zahlen vom amerikanischen Arbeitsmarkt hatte die Technologiebörse Nasdaq zuletzt auf Rekordhöhen getrieben und auch die Aktienmärkte beflügelt.

Keine Ähnlichkeit mit "Großer Depression"

Die US-Notenbank Fed geht nicht davon aus, dass die Welt vor einer ähnlich einschneidenden ökonomischen Krise steht wie vor etwa 90 Jahren.

Gefragt danach, ob die Corona-Krise mit der "Großen Depression" bzw. der Weltwirtschaftskrise ab dem Jahr 1929 vergleichbar sei, sagte der Fed-Vorsitzende Jerome Powell am Mittwoch in Washington: "Ich glaube nicht, dass die Große Depression ein gutes Beispiel ist für das, was gerade geschieht."

Powell nannte einige Unterschiede, weshalb sich die Corona-Pandemie von der wohl schwersten Krise in der jüngeren Wirtschaftsgeschichte unterscheidet. Zum einen sei die Reaktion aufseiten der Regierung im Gegensatz zu früher sehr schnell und sehr kraftvoll ausgefallen. Zum anderen sei die US-Wirtschaft vor Ausbruch der Krise in einem wesentlich besseren Zustand gewesen als vor knapp einem Jahrhundert.

Der Notenbankchef verwies auch auf die sehr niedrige Arbeitslosigkeit vor der Corona-Krise und den bis dato längsten Konjunkturaufschwung in der US-Geschichte. Darüber hinaus sei das Finanzsystem heute in einem wesentlich besseren Zustand als zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise. (apa)