Der Verdacht auf Bilanzfälschung beim deutschen Zahlungsabwickler Wirecard sorgt auch am Freitag für Gesprächsstoff auf dem Börsenparkett. Die Aktien brachen um fast ein Viertel ein. Das Unternehmen sieht sich als mögliches Betrugsopfer.

"Es kann derzeit nicht ausgeschlossen werden, dass die Wirecard AG in einem Betrugsfall erheblichen Ausmaßes zum Geschädigten geworden ist", sagte der aus Österreich stammende Vorstandschef Markus Braun in einem Video, das in der Nacht zu Freitag online gestellt wurde.

Es sei aktuell unklar, warum zwei Banken, die im Auftrag von Wirecard Treuhandkonten verwaltet hätten, dem Wirtschaftsprüfer EY gegenüber erklärt hätten, Bestätigungen über dort angelegte Milliardensummen seien gefälscht, so der Österreicher.

Sollte der Konzern auch an diesem Freitag keinen testierten Abschluss präsentieren, droht die Kündigung von Krediten in Höhe von etwa zwei Milliarden Euro.

Am Donnerstag hatte Wirecard erneut die Veröffentlichung des lange erwarteten Jahresabschlusses 2019 verschoben. Die Prüfer von EY fanden keine Hinweise auf die Existenz von Guthaben über 1,9 Milliarden Euro bei zwei asiatischen Banken. Der Betrag entspreche einem Viertel der Bilanzsumme. Der für das organisatorische Geschäft zuständige Vorstand Jan Marsalek muss gehen. Banken können nun Kredite kündigen. Zudem prüft die Fondsgesellschaft DWS als Aktionärin rechtliche Schritte.

Furcht vor zweiter Infektionswelle

Nicht nur Wirecard ist Thema an den Börsen. Die Furcht vor einer zweiten Infektionswelle in der Coronavirus-Pandemie dämpfte die Kauflaune, zugleich hoffen Börsianer vor dem EU-Gipfel weiter auf eine rasche Konjunkturerholung. Der Dax ging 0,6 Prozent fester bei 12.351 Punkten in den Handel. "Die Börsianer sind aktuell auf der Suche nach einer Richtung", sagte Thomas Altmann, Portfoliomanager bei der Vermögensverwaltung QC Partners. "Niemand weiß so ganz genau, wo die Reise in den kommenden Wochen hingeht." (apa, reuters)