Das bis zu 9 Milliarden Euro schwere deutsche Rettungspaket für die AUA-Mutter Lufthansa wackelt. Wenige Tage vor der außerordentlichen Hauptversammlung, in der das Paket von den Aktionären abgesegnet werden soll, blieb am Montag die Strategie des Münchner Großaktionärs Heinz Hermann Thiele weiter unklar. Auch in den Verhandlungen mit den Gewerkschaften um Sparbeiträge der Lufthansa-Beschäftigten zeichnete sich noch keine Einigung ab. Das österreichische AUA-Rettungspaket wackelt mit.

Falls in Deutschland das staatliche Rettungspaket für die Lufthansa am Widerstand von Thiele doch noch scheitern sollte, wäre auch der Deal zur Rettung der AUA gefährdet. "Bei einer eventuellen Ablehnung des vorliegenden deutschen Deals muss man die Situation in Österreich neu bewerten", hieß es am Montag aus Regierungskreisen in Wien. "Der AUA-Deal sieht als Grundvoraussetzung eine Einigung der deutschen Regierung mit der Lufthansa vor." Daher gelte es jetzt die Hauptversammlung der Lufthansa am Donnerstag abzuwarten.

Bei der AUA selbst gab man sich am Montag zuversichtlich. "Das österreichische Corona-Hilfspaket ist fertig geschürt und alle Stakeholder inklusive der Lufthansa haben dem Deal zugestimmt", sagte ein AUA-Sprecher. Deshalb gebe es Grund zur Annahme, dass das Paket in Österrreich - unabhängig von der Lufthansa-Hauptversammlung - hält.

Gespräche zwischen
Regierung und Thiele

In Berlin trafen sich am Montag Vertreter der Regierung mit Lufthansa-Großaktionär Thiele und Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Thiele hatte sich in den vergangenen Monaten mehr als 15 Prozent der Lufthansa-Aktien gesichert. Da laut Spohr weniger als 38 Prozent der Stimmrechte bei der Hauptversammlung am Donnerstag vertreten sein werden, könnte der 79-jährige Milliardär allein den Einstieg des Staates verhindern. Thiele sieht die geplante 20-Prozent-Beteiligung Deutschlands an der Lufthansa kritisch.

Der deutsche Finanzminister Olaf Scholz (SPD) verteidigte erneut das staatliche Rettungspaket. "Wir hatten eine sehr gute Diskussion mit dem Lufthansa-Management und haben einen sehr guten Plan entwickelt, über den es auch Einigung mit Brüssel gibt", sagte Scholz am Montag bei einer Konferenz in Frankfurt, zu der sich der Minister per Video aus Berlin zuschaltete. "Der Plan ist wohlüberlegt."

Verhandlungen über
Personalabbau dauern an

Parallel ging bei der Lufthansa das Ringen um Einsparungen beim Personal weiter. Unternehmen und Gewerkschaftsvertreter bestätigten nur die Fortsetzung der Verhandlungen am Montag, wollten aber keinen Zeitpunkt für eine mögliche Einigung mehr nennen. Ursprünglich war der gestrige Montag als Termin avisiert worden, um die Ergebnisse noch vor der Hauptversammlung präsentieren zu können.

Der von der Corona-Krise hart getroffene Luftfahrtkonzern hat aufgrund der dauerhaft geringeren Nachfrage den weltweiten Personalüberhang auf 22.000 Stellen beziffert. Davon entfallen rund 11.000 Stellen auf Deutschland. Bei den Verhandlungen sollen nun Maßnahmen vereinbart werden, um möglichst viele Mitarbeiter an Bord zu halten. Das sind etwa ausgeweitete Teilzeitmodelle sowie der Verzicht auf Gehaltssteigerungen und Zulagen. Beteiligt sind die Gewerkschaften Verdi, UFO und Vereinigung Cockpit (VC), die bereits verschiedene Sparvorschläge unterbreitet haben.

Lufthansa-Aktie
aus dem DAX abgestiegen

Die Sorgen um das Rettungspaket drückten den Aktienkurs der Lufthansa an der Frankfurter Wertpapierbörse zwischenzeitlich um bis zu neun Prozent, im weiteren Tagesverlauf erholte sich der Kurs aber wieder. Heftige Verluste während des Corona-Crashs hatten indes dazu geführt, dass die Papiere des größten Luftverkehrskonzerns Europas ihren Platz im deutschen Leitindex DAX räumen mussten und seit Montag dem MDAX der mittelgroßen Werte angehören.

Der Konzern mit weltweit 138.000 Beschäftigten rechnet damit, dass die Erholung der Nachfrage im Luftverkehr nur langsam verläuft. Derzeit hebt lediglich ein kleiner Teil der Lufthansa-Flotte zu Reisezielen ab. Im abgelaufenen ersten Quartal brockte die Corona-Krise dem Konzern einen Verlust von 2,1 Milliarden Euro ein, die Geldreserven schwinden schnell.(dpa/kle)