Commerzbank-Großaktionär Cerberus, einst Mehrheitsaktionär der Bawag, gibt sich mit den neuen Sparplänen des deutschen Geldhauses nicht zufrieden. "Cerberus fordert den Abbau von deutlich mehr als 7000 Stellen", sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag.

Der Investor wolle in den nächsten Wochen konkrete Vorschläge für Stellenstreichungen und andere Sparmaßnahmen vorlegen. Einem anderen Insider zufolge ist bei der Commerzbank der Abbau weiterer 7000 Stellen in Diskussion, die zu der bereits vergangenen Herbst angekündigten Streichung von 4300 Arbeitsplätzen bis 2023 hinzukämen. Darüber hatte zuerst die "Börsen-Zeitung" berichtet.

Auch Filialschließungen

Mit der Streichung von mehr als 11.000 Jobs wäre der Arbeitsplatzabbau bei der Commerzbank deutlich radikaler als bei der Deutschen Bank, bei der weltweit 18.000 Stellen wegfallen. Ende Dezember beschäftigte die Commerzbank rund 48.500 Mitarbeiter, die Deutsche Bank 87.600.

Außerdem steht die Schließung von 400 der 1000 Commerzbank-Filialen im Raum. Damit würden doppelt so viele wegfallen wie bisher geplant.

Eine Sprecherin der Commerzbank wollte sich dazu konkret nicht äußern: "Derzeit werden verschiedene Optionen und Szenarien diskutiert. Noch wurden keine Entscheidungen getroffen." Sie bekräftigte aber, dass die Bank die Pläne spätestens mit den Zahlen zum zweiten Quartal Anfang August präsentieren werde.

Der Vorstandschef der Commerzbank, Martin Zielke, feilt seit Monaten an einer Verschärfung des Sparkurses, nachdem Anleger und Aufseher die Pläne als unzureichend kritisiert haben. Aufgrund der Coronavirus-Krise ist der Handlungsbedarf weiter gestiegen.

Bei der Commerzbank drohen deswegen mehr Kreditausfälle. Darüber hinaus zählt das Frankfurter Finanzinstitut zu den Gläubigern des zusammengebrochenen deutschen Zahlungsdienstleisters Wirecard (siehe auch Artikel auf Seite 11).

Gewerkschaft in Aufregung

Vor allem der US-Fonds Cerberus macht Druck und hat die Geduld verloren. Anfang Juni bezeichneten die Amerikaner die Entwicklung bei dem Geldhaus als "desaströs". Sie forderten einen Strategieschwenk, Einsparungen sowie zwei Sitze im Aufsichtsrat, die ihnen die Commerzbank verwehrte. Mit einem Anteil von gut fünf Prozent ist der Finanzinvestor zweitgrößter Commerzbank-Aktionär - hinter dem deutschen Bund, der 15,6 Prozent hält.

Bei den Arbeitnehmervertretern sorgen die Sparpläne für helle Aufregung. "Der Bund möchte bei der Strategie mitreden. Das ist als Großaktionär sein gutes Recht", sagte Verdi-Vertreter und Commerzbank-Aufsichtsrat Stefan Wittmann am Dienstag. Aber anscheinend sei dem Bund die Meinung von Cerberus wichtiger als die des Aufsichtsrats. "Eine Strategie, die von Cerberus beeinflusst ist, ist definitiv nicht im Sinne der Mitarbeiter", so Wittmann. Sie sei auch nicht im langfristigen Interesse der Bank.

Eine für Mittwoch geplante Aufsichtsratssitzung, bei der die Sparpläne Thema sein sollten, wurde gestrichen. Die Arbeitnehmer hatten mit einem Boykott der Sitzung gedroht, weil ihnen die Unterlagen dazu nicht vorlagen.

An der Frankfurter Wertpapierbörse fiel die Commerzbank-Aktie am Dienstag im Handelsverlauf um bis zu zwei Prozent auf 3,89 Euro. Seit Jahresbeginn hat der Titel fast 30 Prozent seines Wertes eingebüßt.(reuters/kle)