Die Covid-Krise hat die Arbeitslosigkeit auf Rekordhöhen getrieben und die Realwirtschaft hart getroffen. Auch der Staatshaushalt ist durch fallende Steuereinnahmen und hohe Unterstützung für viele Wirtschaftssektoren schwer belastet. Aktionäre sind hingegen glimpflicher durch die ersten fünf Monate gekommen als in der Finanzkrise von 2008. Das zeigt eine Analyse der Boston Consulting Group.

In einigen Branchen, von Biotechnologie und Pharma bis zur Telekommunikation, hat der Aktienertrag gemessen an Kursentwicklung und Dividende (Total Shareholder Revenue/TSR) sogar zugelegt. Größte Verlierer sind bisher Reise und Tourismus, Versicherungen, Mode und Luxusgüter sowie Medien. Über alle Branchen lag das Minus 2020 im Schnitt bei 5,7 Prozent. 2008 gab es nach fünf Monaten ein durchschnittliches Minus von 34,2 Prozent.

Allerdings ist für die Aktienbesitzer das letzte Wort noch nicht gesprochen. Wenn sich der Rückgang der verfügbaren Einkommen in den Unternehmenserträgen niederschlägt, werden auch die Firmeneigentümer die Folgen spüren, gibt Lukas Haider, Partner und Wiener Büroleiter von BCG, zu bedenken.

"Die Krise hat die Trends in Richtung Digitalisierung beschleunigt und die Branchen Technologie und Pharma beflügelt. Ich gehe davon aus, dass es zu einer Verstetigung dieses Trends kommt", sagte Haider im Gespräch mit der apa.

Österreich entwickelt sich im globalen Einklang, so die BCG-Analyse. Wie in anderen Märkten wird der Energie- und Versicherungssektor besonders stark belastet. Der Gesundheitssektor kommt am besten durch die Krise. Es habe ihn überrascht, so Haider, dass es kaum regionale Unterschiede gebe. Dabei sei die Wirtschaftsstruktur doch recht unterschiedlich.

Haider geht davon aus, dass im Neuaufbau nach der Krise der Nachhaltigkeitsgedanke bei vielen Unternehmen stärker ausgeprägt sein wird als davor. Etwa wenn es darum geht, welche Werke stillgelegt werden. Manche Branchen, etwa die Autoproduktion mit konventionellen Antrieben, könnten das Vorkrisenniveau nie mehr erreichen.

Für die Unternehmen hat Haider vor allem einen Rat: "Rasch handeln, keinen Winterschlaf machen." Nur wer sich jetzt neu aufstelle und nach neuen Chancen Ausschau halte, werde gut durch die Krise kommen.

Grünes Förderprogramm
für Investoren

Projekte, die Österreich der Erreichung der Pariser Klimaschutzziele näher bringen, könnten solche neuen Chancen sein. Sie sollen für private Investoren in Zukunft attraktiver werden. Dafür hat der Klima- und Energiefonds gemeinsam mit dem Umweltministerium ein Förderprogramm gestartet, das einerseits bei der Projektentwicklung und andererseits bei den Nebenkosten auf dem Weg zum Finanzmarkt unterstützen soll.

Es brauche "bis zu 17 Milliarden Euro an jährlichen Investitionen in den Klimaschutz, um die Klimaziele erreichen zu können", sagte Umweltministerin Leonore Gewessler am Dienstag bei der Präsentation des Programms. Diese Summen könnten nicht alleine vom Staat gestemmt werden, daher müsse mehr privates Kapital mobilisiert werden. Ein "Green-Finance-Förderprogramm" startete am Dienstag. Bis Jahresende stehen 1,1 Millionen Euro zur Verfügung. Wie viel Geld im Folgejahr zur Verfügung stehen soll, sei noch offen.

Wie viel privates Kapital genau über das Programm in klimabewusste Investitionen geleitet werden soll, wurde nicht beziffert. Ziel sei es jedoch in erster Linie, kleinere und mittelgroße Vorhaben zu unterstützen, "damit die Unternehmen überhaupt zum Finanzmarkt kommen", so Gewessler.

Hohe Nebenkosten
auf dem Kapitalmarkt

Vor allem für Neulinge, die Geld für die Umsetzung eines Projekts brauchen, sei es oft schwierig, dieses auch für Investoren attraktiv aufzubereiten, so Michael Trcka, CFO der WEB Windenergie. Zudem seien die Nebenkosten, um an Investitionen auf dem Kapitalmarkt zu kommen - beispielsweise Kosten für die Emission einer Anleihe - oft sehr hoch. Daher sei es sehr wichtig, "diese ersten Schritte zu unterstützen", so Trcka.

Die nun startende Förderung sei ein "EU-weites Pionierprogramm", sagte Ingmar Höbarth, Geschäftsführer des Klima- und Energiefonds am Dienstag. Förderberechtigt sind Projekte bis zu 50 Millionen Euro, die in Österreich umgesetzt werden. Die Förderung kann dann je nach Projektgröße bis zu 60.000 Euro ausmachen. Das Projekt muss bestimmte Kriterien erfüllen, beispielsweise muss es mit den EU-Regeln der nachhaltigen Finanzierung konform sein bzw. begründen, wieso das Vorhaben einen Beitrag zu den nationalen und globalen Klimazielen leistet.

Darüber hinaus müssen eine Wirtschaftlichkeitsbewertung, eine Risikobewertung sowie eine Renditeerwartung für Investoren erfolgen. Welche Projekte letztlich eine Förderung bekommen, bestimmt eine Fachjury. Wie sich diese zusammensetzt, wurde aber nicht näher erläutert.