Die Deutsche Bank liebäugelt mit Teilen des Zahlungsanbieters Wirecard. "Wir sind eine der größten Banken im Zahlungsverkehr weltweit. Das ist eine unserer Stärken, ein echtes Kerngeschäftsfeld", sagte Deutsche-Bank-Vorstand Fabrizio Campelli dem "Handelsblatt" in einem am Freitag veröffentlichten Interview.

"Wenn sich hier also Gelegenheiten ergeben, uns zu verstärken, werden wir uns diese ansehen." Am Donnerstag hatte die Deutsche Bank mitgeteilt, dass sie mögliche Hilfen für die Wirecard Bank prüft.

Bei ihrem vor einem Jahr gestarteten Konzernumbau sieht sich die Deutsche Bank auf Kurs. "Bislang sind wir im Zeitplan oder sogar besser. Die Ziele für 2022 stehen", sagte Campelli. Auch beim Abbau von weltweit 18.000 Stellen liege die Bank im Plan, sagte der Strategiechef.

Kreditkartenzahlung bei ÖBB "funktioniert klaglos"

 

Die ÖBB haben mehrere Buchungssysteme. Jene in der App und im Web laufen über Wirecard. Aufgrund der Pleite würden aber Alternativszenarien geprüft, so der Sprecher. So ist es auch beim Uniformhersteller Der Walter Berufskleidung GmbH. Geschäftsführer Michael P. Walter schilderte, dass Wirecard brav weiter überweise und es bisher keine Auswirkungen gab. Bei Der Walter laufen die mit Visa oder Mastercard bezahlten Online-Bestellungen über Wirecard.

Der Wiener Modehändler "Zur Brieftaube" hat wegen des Corona-Lockdowns einen Lieferservice mit Distanzhandel aufgebaut. Für die Kreditkarten-Sicherheitsprüfung im Fernabsatz schloss Geschäftsführerin Beatrice Fröhlich einen Vertrag mit Wirecard. Wegen der Entwicklungen der letzten Woche habe sie den Vertrag aber aufgelöst, nicht weil es Probleme gegeben habe, sondern weil sie Kunden nicht verunsichern wollte, wenn sie im Zahlungsprozess Wirecard sehen.

Auch in Deutschland haben vereinzelt Onlinehändler Wirecard aus ihren Zahlungsmöglichkeiten verbannt. Sie bieten damit keine direkte Zahlung mit Kreditkarte an, über PayPal ist dies aber indirekt oft weiterhin möglich. Auch Zahlungen auf Rechnung, etwa über Klarna, oder per Sofortüberweisung sind meist weiter möglich.

Wirecard hat viele Großunternehmen als Kunden

Dass die Wirecard-Pleite bisher keine Auswirkungen auf die Zahlungsabwicklung hatte, liegt, wie es in der Branche heißt, daran, dass Wirecard in Deutschland viele große Unternehmen als Kunden hat. Da gebe es ein großes Interesse, dass Zahlungen weiter funktionieren. Eine Abschaltung wäre eine großer Schaden. Es sei daher auch nicht unwahrscheinlich, wenn Teile des Zahlungssystems fortgeführt würden, so ein Insider.

Für Firmen, die mit Wirecard kooperieren, ist das Risiko auch deshalb überschaubar, weil Abstände zwischen Zahlung und Abwicklung kurz sind. Daher halten sich Außenstände in Grenzen, es stauen sich also keine hohen Beträge an Forderungen auf. Wirecard hat nach eigenen Angaben über 300.000 Kunden, auf wirecard.at listet das Unternehmen auch mehr als Dutzend Referenzprojekte aus Österreich. (reuters/apa/kle)