Die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) erwartet zwar für heuer einen Einbruch des weltweiten Ölbedarfs um neun Prozent, rechnet von diesem niedrigeren Niveau aus für 2021 aber bereits wieder mit einem Verbrauchsanstieg von fast acht Prozent. Heuer sieht man die Nachfrage im Schnitt um 9 Millionen auf 90,7 Millionen Barrel/Tag sinken, im Juni lag diese Zielgröße noch ein Prozent tiefer.

Die stärksten Verbrauchsrückgänge werden 2020 für Europa, den asiatisch-pazifischen Raum und Indien gesehen (jeweils im niedrigen zweistelligen Prozentbereich), die stärksten Zuwächse 2021 ebenfalls in Indien, aber auch Teilen Europas. China, das ein Achtel der Weltölförderung verbraucht, dürfte heuer um gut 7 Prozent weniger benötigen, 2021 dann um 9 Prozent mehr.

Der geringere Ölbedarf ist der schwachen Konjunktur infolge der Coronakrise geschuldet. Die Weltwirtschaft sehen die OPEC-Ökonomen heuer um 3,7 Prozent schrumpfen, vor einem Monat ging man erst von minus 3,4 Prozent aus. Die Revision nach unten liege an einer ausgeprägteren Auswirkung von Covid-19 auf einige Schwellen- und Entwicklungsländer, heißt es.

Produktion reduziert

Nach dem starken BIP-Rückgang 2020 rechnen die Experten mit einem Wachstum der Weltwirtschaft 2021 um 4,7 Prozent. In den USA dürfte das BIP heuer um 5,2 Prozent einbrechen, nächstes Jahr aber um 4,1 Prozent wachsen. In der Eurozone werde einem heurigen Rückgang um 8,0 Prozent ein Anstieg von 4,3 Prozent folgen, heißt es im OPEC-Monatsbericht von Dienstag.

Auch im Juni haben die Bemühungen für eine Ölfördersenkung zum Bremsen des Preisverfalls gewirkt: Die OPEC- und Nicht-OPEC-Staaten reduzierten ihre Produktion gegenüber dem Vormonat weiter, um fast 3 Millionen Fass (zu je 159 Liter) pro Tag auf 86,29 Millionen Barrel täglich. Wegen der starken OPEC-Kürzungen sank der Weltanteil des Kartells auf ein Viertel.

Freilich könnte die globale Ölproduktion einem Pressebericht zufolge schon bald wieder ausgeweitet werden. Eine Allianz von Produzenten unter Führung des weltgrößten Exporteurs Saudi-Arabien dränge die OPEC und deren Verbündete zu einer Ausweitung ab August, berichtete das "Wall Street Journal" (WSJ) am Wochenende. Wichtige Mitglieder wollten angeblich am Mittwoch dieser Woche über die derzeitige und zukünftige Ölproduktion diskutieren, hieß es.

Opec-Volumen geschrumpft

Im April hatte die 23 Länder zählende Gruppe auf Drängen Saudi-Arabiens ihre Förderung um 9,7 Millionen Barrel täglich gedrosselt. Diese Maßnahme war eine Reaktion auf den Preisverfall durch die Corona-Pandemie, die die globale Ölnachfrage einbrechen ließ. Nun wollten Saudi-Arabien und die meisten Mitglieder der Gruppe die Förderung wieder anziehen. Dem Königreich schwebe dabei ein Plus von 2 Millionen Barrel täglich vor. Damit läge die Produktion aber immer noch um 7,7 Millionen Fass täglich unter dem vor der April-Kürzung gültigen Wert.

Insgesamt schrumpfte das OPEC-Volumen auch im Juni, laut Sekundärangaben um 1,89 Millionen auf 22,27 Millionen Barrel pro Tag. Damit sank der OPEC-Anteil an der Weltförderung binnen Monatsfrist weiter um 1,3 Prozentpunkte auf 25,8 Prozent.

Die Nicht-OPEC-Menge verringerte sich ebenfalls im Juni weiter - und zwar um 1,06 Millionen auf 64,02 Millionen Barrel/Tag, um fast 5,7 Millionen Fass/Tag weniger als im Juni 2019. Für die Rückgänge waren vor allem die OECD-Industriestaaten verantwortlich.

Der führende OPEC-Produzent Saudi-Arabien senkte seine Menge diesen Angaben zufolge binnen Monatsfrist noch einmal kräftig um rund eine Million auf 7,56 Millionen Fass täglich, das zweitgrößte Förderland Irak von 4,17 auf 3,727 Millionen Barrel pro Tag. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) drosselten von 2,48 auf 2,35 Millionen und Kuwait von 2,20 auf 2,10 Millionen Barrel täglich. In Libyen, wo auch die österreichische OMV tätig ist, lag die Förderung im Juni mit niedrigen 93.000 Fass/Tag kaum höher als im Monat davor, Ende 2019 war es noch über eine Million Fass pro Tag gewesen. (apa)