750 Milliarden Euro schwer ist der sogenannte Pandemie-Aufbaufonds, auf den man sich innerhalb der EU nun einigen konnte. Das Volumen der Zuschüsse beträgt 390 Milliarden Euro (in Preisen von 2018). 360 Milliarden Euro sind als Kredite vorgesehen. Doch es ist ein Fonds, den Anleger mit gemischten Gefühlen betrachten werden.

Zum einen ist ihnen nicht entgangen, wie der Kompromiss zustande kam, wie die selbsternannten "Sparsamen Fünf", Österreich, Dänemark, Holland, Schweden und Finnland, gezeigt haben, dass es auch nach dem Ausscheiden von Dauerskeptiker Großbritanniens keine reibungslose Reise ohne Streitigkeiten wird - Bundeskanzler Sebastian Kurz kündigte gleich nach dem EU-Gipfel eine weitere Zusammenarbeit an. "Das ist der wichtigste Punkt, weil ich glaube, dass das durchaus historisch ist", sagte er.

Die Gruppe der neuen Skeptiker setzte eine Absenkung der nicht rückzahlbaren Zuschüsse durch, ursprünglich waren 500 Milliarden Euro von der EU-Kommission, Deutschland und Frankreich vorgeschlagen worden. Für den Aufbaufonds nimmt die EU ab nächstem Jahr gemeinsam Schulden auf, diese sollen bis 2058 getilgt sein. Österreich muss für den Zeitraum Haftungen in der Höhe von geschätzten 10,53 Milliarden Euro übernehmen. Größte Empfänger werden Italien, Spanien und Frankreich sein, Österreich kann mit 3,7 Milliarden Euro rechnen.

Die Entschlossenheit der wieder als Tandem funktionierenden beiden europäischen Wirtschaftsmächte, Deutschland und Frankreich, ist für Anleger andererseits auch ein Hoffnungsschimmer. Angesicht der Tatsache, dass die Sparsamen Fünf nur ein Zehntel der EU-Gesamtbevölkerung ausmachen, ist es wahrscheinlicher, dass sich das europäische Tandem mit knapp zwei Fünftel der EU-Bevölkerung dann doch durchsetzen wird.

Mehr Triple-A-Ratings

In diesem Fall könnte sich die Investitionslandschaft bedeutend verändern. Schließlich hat der von den beiden Großmächten vorangetriebene Aufbaufonds das Potenzial, den Druck von den verschuldeten Mitgliedsländern zu nehmen. Riskante Staatsanleihen könnten nicht zuletzt zu stabileren Anlagen werden. Derzeit weist weniger als ein Viertel der europäischen Staatsanleihen und supranationalen Anleihen ein Triple-A-Rating auf. Entfaltet der Fonds seine Wirkung könnten es bald mehr sein.

Vor allem südeuropäische Staatsanleihen könnten zu Kernpositionen eines breiteren Investorenkreises werden. Ein stabileres Europa und ein größerer Anleihemarkt würden auch das Ansehen des Euro verbessern, der aus dem langen Schatten des US-Dollars hervortreten könnte.

Laut Recherchen der "Financial Times" notiert der Euro gegenüber dem US-Dollar um 16 Prozent niedriger, als dies aufgrund von Fundamentaldaten, wie einem gesunden Leistungsbilanzüberschuss, gerechtfertigt wäre. Darüber hinaus ist der Euro in Bezug auf die wirtschaftliche Größe der EU in den globalen Zentralbankreserven unterrepräsentiert und macht nur 20 Prozent des Gesamtbetrags aus. Der Anteil des US-Dollars liegt bei 62-Prozent.

Mit dem Aufbaufonds könnte der Status des Euro nicht nur als Investitionswährung und Wertspeicher zunehmen. Eine Aufwertung würden auch Europas Aktien erhalten, vor allem nachhaltige, grüne Wertpapiere, etwa im Bereich erneuerbare Energien. Zusätzliche Investitionen könnten der Umweltindustrie einen Schub verpassen und die EU zum weltweiten Marktführer machen.

"Damit wird Italien nicht produktiver werden"

In den europäischen Green Deal, Klimaschutz und CO2-Neutralität zu investieren ist für Peter Brezinschek der richtige Weg. Der Chefanalyst der Raiffeisen Bank gibt jedoch zu bedenken: "Es wäre schön, wenn dies nicht nur über Fremdkapital passiert, sondern auch über das Eigenkapital der Unternehmen", sagt er. Um Investitionen zu tätigen, sei auch eigenes Geld nötig und nicht nur "eine riesige Latte an Krediten."

Brezinschek sieht weiters die Gefahr, dass mit dem Geld des Aufbaufonds Probleme zugeschüttet werden. "Damit allein wird etwa Italien nicht produktiver werden", befindet er. Schließlich habe das Land kein Budget-, sondern ein Produktivitätsproblem. Helfen würde auch hier eine Zweckbindung in Zukunftsthemen, wie Ausbildung, Klimaschutz und Digitalisierung.

Um einen nachhaltigen Wachstumseffekt durch den Aufbaufonds zu erzielen, müsste die EU also auch ihre eigenen Vorgaben einhalten.