Die Fluggesellschaft KLM hat einem Urteil des niederländischen Menschenrechtsrates zufolge die Frau des niederländischen Abgeordneten Ronald van Raak diskriminiert, als ein orthodoxer Jude nicht neben ihr im Flugzeug sitzen wollte. Die niederländische Fluggesellschaft habe es versäumt, "während eines Fluges für eine diskriminierungsfreie Umgebung zu sorgen", urteilte das Gremium am Freitag.

Betroffene brachte Klage ein

Bei dem Vorfall im Mai 2019 bat die KLM-Crew das Ehepaar van Raak, "bei der Lösung des Problems zu kooperieren" und sich umzusetzen. Damit seien die van Raaks auf ihrem Flug von New York nach Amsterdam "geschlechtsspezifisch diskriminiert" worden, hieß es weiter. Das Paar sei "mit einem orthodoxen jüdischen Mann konfrontiert worden, der sich wegen seines Glaubens weigerte, wegen ihres Geschlechts neben der Frau zu sitzen".

Der jüdisch-orthodoxe Passagier hingegen sei weder für sein Verhalten zur Rechenschaft gezogen, noch sei ihm klar gemacht worden, dass es sich um Diskriminierung handelte, hieß es in dem Urteilsspruch des Menschenrechtsrates. Außerdem sei der Mann nicht gebeten worden, bei der Lösung des Sitzproblems zu kooperieren, obwohl er Verursacher der Umstände war.

Der sozialdemokratische Abgeordnete van Raak sagte, er sei mit dem Urteil zufrieden. Er forderte die Fluglinie auf, ihre Verfahren zu ändern. "Es liegt im öffentlichen Interesse, dass jede Frau darauf zählen kann, auf einem KLM-Flug nicht diskriminiert zu werden", zitierte ihn die niederländische Nachrichtenagentur ANP. 

Die durch die Corona-Krise in die Verlustzone geratene niederländische Fluggesellschaft hatte kürzlich staatliche Unterstützung in Milliardenhöhe erhalten: Neben den 7 Milliarden Euro, die die französische Regierung der Fluggesellschaft Air France-KLM gewährt hatte, erhielt KLM weitere 3,4 Milliarden Euro vom niederländischen Staat, um eine drohende Pleite abzuwenden(APA/AFP)