Washington.  In der von der Corona-Pandemie ausgelösten tiefen Rezession in den USA hält die Notenbank Fed den Zins nahe null und die Tür für neue Krisenhilfen weiter offen. Die Zentralbank verpflichte sich, die gesamte Bandbreite ihrer Instrumente zu nutzen, bekräftigten die Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell am Mittwoch. Die Viruskrise laste schwer auf der Wirtschaft.

Angesichts der Zunahme von Corona-Neuinfektionen in den USA hat die Fed erst jüngst eine Reihe ihrer Kreditprogramme erweitert und bis zum Jahresende verlängert. Diese Krisenhilfe und der nun weiterhin in der Spanne zwischen null und 0,25 Prozent gehaltene Leitzins sollen dafür sorgen, dass die Wirtschaft schnell wieder auf die Beine kommt.

"Die Fed fährt weiter auf Sicht. Die Erwartung auf eine rasche durchgreifende Erholung der US-Ökonomie hat sich mit den sehr hohen Covid-19-Infektionszahlen zerschlagen", sagte Ökonom Friedrich Heinemann vom Mannheimer Forschungsinstitut ZEW. Mit Recht mache sich die US-Notenbank keine Hoffnung, dass der schwache Dollar dem Land in dieser Phase nennenswert helfen könne. Der Euro zog nach der Zins-Entscheidung an und notierte mit 1,1797 Dollar so hoch wie seit September 2018 nicht mehr.

"Die heutige Sitzung stützt unsere Erwartung, dass die Fed wichtige Stellschrauben in den kommenden Monaten nachziehen wird, um die Erholung der Wirtschaft zu unterstützen", meint Ökonom Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe. Die Nothilfe-Kreditprogramme dürften wohl auch auf das Jahr 2021 und einen größeren Teilnehmerkreis ausgeweitet werden: "Das Tempo der Anleihekäufe kann zudem noch gesteigert und stärker auf lange Laufzeiten ausgerichtet werden." Am Mittwoch beließ die Fed es bei dem bisherigen monatlichen Ankaufvolumen von Staatsanleihen in Höhe von 80 Milliarden Dollar sowie von Hypothekenpapieren im Umfang von 40 Milliarden Dollar.

Powell warnte, ohne eine Eindämmung des Virus sei eine vollständige wirtschaftliche Erholung "unwahrscheinlich". Die gegenwärtige Wirtschaftskrise sei die schwerste seit Jahrzehnten, sagte er. Die Fed werde ihre Notprogramme daher für die Dauer der Krise weiterführen, um sicherzustellen, dass sich die Wirtschaft "so bald wie möglich" wieder erholen werde, sagte Powell. Es brauche womöglich auch weitere fiskalische Unterstützung, sagte Powell - ganz offenbar in Anspielung auf die laufenden Verhandlungen im US-Kongress für ein weiteres Konjunkturpaket.

Einbruch der Wirtschaft von etwa 30 bis 40 Prozent

Die Zuspitzung der Pandemie im März und April hatte die USA in eine schwere Wirtschaftskrise mit Rekordarbeitslosigkeit gestürzt. Im Mai und im Juni gab es in der größten Volkswirtschaft der Welt bereits wieder Zeichen einer Erholung. Seit Ende Juni hat die Zahl der Neuinfektionen allerdings wieder dramatisch zugenommen, was zu erneuten Einschränkungen des Wirtschaftslebens geführt hat. Betroffen sind vor allem Bundesstaaten im Süden und Westen des Landes, in denen aber rund ein Drittel der US-Bevölkerung lebt.

Derzeit werden in den USA täglich rund 60.000 Neuinfektionen gemeldet. Insgesamt gibt es Daten der Universität Johns Hopkins zufolge inzwischen knapp 4,4 Millionen bestätigte Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 und fast 150.000 damit verbundene Todesfälle.

Die Arbeitslosenquote in den USA lag im Juni bei 11,1 Prozent. Vor der Pandemie hatte sie noch bei niedrigen 3,5 Prozent gelegen. Im ersten Quartal schrumpfte die US-Wirtschaft bereits leicht, aktuelle Daten zum zweiten Quartal werden an diesem Donnerstag erwartet. Analysten erwarten auf das Jahr hochgerechnet einen Einbruch von etwa 30 bis 40 Prozent. Nach der in Europa gebräuchlichen Berichtsweise im Quartalsvergleich entspräche das etwa einem Minus zwischen 9 und 12 Prozent. Powell warnte, die Daten zur Wirtschaftsentwicklung im zweiten Quartal könnten einen historischen Negativrekord darstellen.

Parlament und Regierung haben seit Beginn der Krise bereits Konjunkturpakete in Höhe von fast drei Billionen US-Dollar beschlossen, was mehr als zehn Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung entspricht.

US-Anleihen tendieren uneinheitlich

Die Kurse von US-Staatsanleihen haben sich am Mittwoch im Handelsverlauf nach den geldpolitischen Beschlüssen der amerikanischen Notenbank Fed unterschiedlich entwickelt. Während kurz- und mittelfristig laufende Papiere im Plus notierten, verzeichneten Langläufer Verluste.

Die Fed behält ihre Nullzinspolitik bei und beließ den Leitzins in einer Spanne von 0 bis 0,25 Prozent. Volkswirte hatten einhellig mit dieser Entscheidung gerechnet. Zudem kündigte Notenbankchef Jerome Powell an, das bisherige Tempo bei den Anleihekäufen beizubehalten und alle Instrumente zu nutzen, um die US-Wirtschaft zu stützen.

Zweijährige Anleihen stiegen um 1/32 Punkt auf 100 Punkte. Sie rentierten mit 0,13 Prozent. Fünfjährige Anleihen gewannen 2/32 auf 100 Punkte. Sie rentierten mit 0,25 Prozent. Richtungweisende zehnjährige Papiere verharrten bei 100 14/32 Punkten und rentierten mit 0,58 Prozent. Longbonds mit einer Laufzeit von dreißig Jahren fielen um 20/32 Punkte auf 100 6/32 Punkte. Sie rentierten mit 1,24 Prozent. (apa, reuters, dpa, afx)