Die Coronakrise trifft den deutschen Halbleiterkonzern Infineon trotz eines millionenschweren Quartalsverlusts nicht so hart wie befürchtet. Der stark vom Geschäft mit der Automobilindustrie abhängige Chiphersteller erwartet im laufenden Geschäftsjahr geringere Belastungen als bisher angenommen. Das Werk in Villach beendete Ende Juli vorzeitig die Kurzarbeit

"Infineon hat die herausfordernde Situation infolge der Coronavirus-Pandemie bislang gut bewältigt", sagte Vorstandschef Reinhard Ploss am Dienstag. Das Autogeschäft erhole sich: "Alle Indikatoren zeigen an, dass das Schlimmste hinter uns liegt." Die Infineon-Aktie legte um 2,5 Prozent zu und war damit einer der größten Gewinner im deutschen Leitindex DAX.

Die Österreich-Tochter von Infineon hat die bis Ende September geplante Kurzarbeit für rund 1.000 Mitarbeiter in der Produktion im Werk in Villach vorzeitig per 31. Juli beendet. "Wir haben uns entschlossen, die Zeit der verringerten Nachfrage verstärkt für die Integration und Weiterentwicklung der Produktionssysteme zu nutzen", so Infineon-Manager Thomas Reisinger am Dienstag in einer schriftlichen Stellungnahme. Dies betreffe "die zukünftige Fertigung in der neuen Chipfabrik sowie die bestehende Produktion".

Stabilisiert wurde Infineon im zurückliegenden dritten Geschäftsquartal 2019/20 durch die milliardenschwere Übernahme des US-Chipherstellers Cypress, die der Konzern aus Neubiberg bei München im April abgeschlossen hatte. Der US-Anbieter, der mit seinen Mikrocontrollern und Speicherelementen das Portfolio von Infineon ergänzt, trägt laut Ploss überproportional zum Ergebnis bei.

In dem bis September laufenden Geschäftsjahr 2019/20 erwartet Ploss nun einem Umsatz von 8,5 Mrd. Euro und eine operative Umsatzrendite von rund 13 Prozent. Bisher hatte er inklusive Cypress einen Umsatz von 8,4 Mrd. Euro in Aussicht gestellt, nach 8 Mrd. Euro im vergangenen Geschäftsjahr. Bei der Marge hatte der Vorstand bisher einen Rückgang auf 12 Prozent von 16,4 Prozent erwartet.

Im dritten Quartal lag die sogenannte Segmentergebnis-Marge mit 10,1 Prozent ebenfalls höher als von Ploss prognostiziert. In Aussicht gestellt hatte er einen Wert im mittleren einstelligen Prozentbereich. Trotz Einbußen im Autogeschäft, der größten Sparte, wuchs der Umsatz aufgrund der Cypress-Übernahme binnen Jahresfrist um 8 Prozent auf 2,17 Mrd. Euro. Der Betriebsgewinn brach um 31 Prozent auf 220 Mio. Euro ein. Unter dem Strich stand ein Verlust von 128 Mio. Euro, nach einem Gewinn von 178 Mio. Euro vor Jahresfrist.

"Unser diversifiziertes Geschäftsmodell, das durch die Integration von Cypress zusätzlich gestärkt wird, hat sich gerade auch in Bezug auf die Profitabilität als robust erwiesen", erklärte Ploss. Infineon profitiere von der zunehmenden Digitalisierung dank steigenden Datenverkehrs, des Internets der Dinge und mobiler Kommunikation. Diese Trends würden durch die Coronakrise teilweise noch verstärkt.