Wien. Chinas Wirtschaft ist im ersten Quartal 2020 um historische 6,8 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode geschrumpft. Dennoch gehen Experten davon aus, dass sich das Land im Laufe dieses Jahres so weit erholen wird, dass sich für heuer ein Wachstum von einem Prozent ausgehen wird.

Ende Mai tagte der Nationale Volkskongress (NVK) Chinas, mit zwei Monaten Verspätung, denn man wollte die wirtschaftlichen Auswirkungen von Covid-19 besser einschätzen. Dabei wurden die Weichen für den nächsten Fünfjahresplan gestellt, der ab 2021 gelten soll. Die Vorgaben, die darin getroffen werden, gelten bis 2025. Im Detail sollen sie im Oktober bekannt gegeben werden.

Demnach will China seine Abhängigkeit von ausländischen Märkten reduzieren, nicht zuletzt aufgrund der anhaltenden Auseinandersetzungen mit den USA. Allerdings möchte die chinesische Führung mit einer Stärkung des Binnenmarktes auch die Folgen der Corona-Pandemie besser in den Griff bekommen, hieß es von mit den Plänen vertrauten Personen zur Nachrichtenagentur Reuters. "Wir werden uns mehr auf die Inlandsnachfrage verlassen, da der Außenhandel zurückgehen wird und die Vereinigten Staaten eine Technologieblockade verhängen", meinte ein Insider, der anonym bleiben wollte.

US-Zölle und Corona

Höhere US-Zölle haben Exportweltmeister China zugesetzt. Die Ausfuhren in die Vereinigten Staaten brachen im ersten Halbjahr zudem auch wegen der Corona-Pandemie um 11,1 Prozent ein.

Washington nimmt derzeit chinesische Technologiekonzerne wie Huawei und die Video-App TikTok ins Visier genommen, was in Peking für Verstimmung sorgt.

Auch Chinas Dienstleistungsbranche hat unter der Pandemie und den schwächeren Exportgeschäften gelitten. Der an Mittwoch veröffentlichte Caixin/Markit Einkaufsmanagerindex fiel von 58,4 Zählern im Juni auf 54,1 Punkte im Juli. Die 50-Punkte-Marke trennt monatlich Wachstum von Kontraktion.

Dienstleistungen im Aufwind

Der Dienstleistungssektor, auf den etwa 60 Prozent der Wirtschaft und die Hälfte der staatlichen Arbeitsplätze in der Volksrepublik entfallen, erholte sich zunächst langsamer als große Hersteller, wuchs jedoch im vergangenen Monat mit dem höchsten Wert seit zehn Jahren.

Anhaltende Arbeitsplatzverluste infolge eines schwächeren Exportgeschäfts sowie Lohnkürzungen und weitere Covid-19-Ausbrüche in den West- und Nordostregionen des Landes drückten die Inlandsnachfrage. Dennoch blieb die allgemeine Expansion des Sektors im Juli hoch und entsprach dem langfristigen Trend der Umfrage. Die Dienstleistungsunternehmen zeigten sich nun folglich optimistischer.

Immerhin hatte Chinas Führung nach Covid-19 die höchste Priorität auf die Bekämpfung von Arbeitslosigkeit gelegt. Bis Jahresende sollen neun Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden, berichtet die WKÖ (Wirtschaftskammer Österreich) in einer Analyse. Bis Ende 2021 will das Reich der Mitte 35 Millionen Ausbildungsplätze für Lehrlinge und Fachkräfte aufstellen.

Anreize für Konjunktur

Konjunkturbelebende Anreize setzt China aktuell bereits im Hightech-Sektor - Industrie 4.0 spielt hierbei eine wichtige Rolle. Die Digitalisierung des Gesundheitssektors soll beschleunigt werden und in Sachen Umwelt, insbesondere bei der Luftqualität und hier beim Umstieg auf alternative, saubere Energiegewinnung, stehen heuer schon im Fokus der chinesischen Bestrebungen die Wirtschaft nach Corona anzukurbeln. Diese Akzente dürfte sich auch im Fünfjahresplan bis 2025 niederschlagen.

China strebt für das laufende Jahr ein Budgetdefizit von 3,6 Prozent des BIP an, geplant waren 2,8 Prozent. Die Inflationsrate soll 3,5 Prozent nicht übersteigen - 2019 lag sie in China bei 2,9 Prozent.(apa/mojo)