Die Deutsche Börse hat wegen der Pleite des Zahlungsdienstleisters  Wirecard ihr Regelwerk überarbeitet. Insolvente Unternehmen werden künftig mit einer Frist von zwei Handelstagen aus den Dax-Auswahlindizes (Dax, M-Dax, S-Dax, Tech-Dax) herausgenommen, teilte die Deutsche Börse mit.

Am Mittwochabend hatte sich die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" mit dem Fall Wirecard befasst. Deren Ex-Vorstand Jan Marsalek ist seit Mitte Juni auf der Flucht.

Die Regeländerung an der Frankfurter Börse tritt zum Donnerstag, 19. August, in Kraft. Die sich daraus aktuell ergebenden Veränderungen in der Zusammensetzung von Dax und TecDax werden entsprechend am selben Abend nach 22.00 Uhr bekanntgegeben und nach Börsenschluss am Freitag, 21. August, umgesetzt. Grundlage der Berechnung sei die Rangliste vom 31. Juli sowie weitere Vorgaben aus dem Regelwerk.

Das offizielle Fahndungsplakat des Polizeipräsidiums München. - © PPMünchen
Das offizielle Fahndungsplakat des Polizeipräsidiums München. - © PPMünchen

Delivery Hero dürfte den freien Platz einnehmen

Erwartet wird von Index-Experten bereits, dass der Corona-Krisengewinner und Online-Essenslieferant Delivery Hero im Dax den Platz von Wirecard einnehmen wird. Für den frei werdenden Platz im M-Dax könnte der Halbleiterspezialist Aixtron aus dem S-Dax nachrücken. In den S-Dax könnte dann die Baumarktkette Hornbach aufgenommen werden. In den Tec-Dax käme der Laserspezialist LPKF. Chancen wurden aber auch dem Duftstoff- und Aromenhersteller Symrise eingeräumt.

 
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Wirecard hatte im September 2018 den frei gewordenen Platz der Commerzbank im Dax eingenommen. Im Juni 2020 kam es dann zum Eklat. Der Konzern räumte Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro ein. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht mittlerweile von einem "gewerbsmäßigen Bandenbetrug" bei Wirecard aus, und zwar seit dem Jahr 2015.

Marsalek wird im Ausland vermutet

Im milliardenschweren Bilanzskandal bei Wirecard fahndet das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) öffentlich nach dem flüchtigen Ex-Vertriebsvorstand Jan Marsalek. Der Österreicher war bis Juni 2020 Vorstandsmitglied bei Wirecard. Der Fall wurde nun Thema bei der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst". "Aufgrund der derzeitigen Ermittlungsergebnisse wird ein Aufenthaltsort des Gesuchten im Ausland für sehr wahrscheinlich gehalten", teilte das deutsche Bundeskriminalamt am Mittwoch in Wiesbaden mit.

Marsalek wird verdächtigt, zusammen mit anderen Beschuldigten die Bilanzsumme und das Umsatzvolumen des Zahlungsdienstleisters durch Scheingeschäfte aufgebläht zu haben, um so das Unternehmen finanzkräftiger und für Investoren und Kunden attraktiver darzustellen. Die Ermittler verdächtigen ihn des besonders schweren Falls der Untreue und des gewerbsmäßigen Bandenbetrugs. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Banken und Investoren über drei Milliarden Euro verloren haben könnten. (apa/dpa)