Oracle ist Insidern zufolge in das Bieterrennen für das US-Geschäft des chinesischen Kurzvideodienstes TikTok eingestiegen. Der amerikanische Softwarekonzern habe sich einigen Investoren des TikTok-Eigners ByteDance wie General Atlantic und Sequoia angeschlossen, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Sie seien an den Nordamerika-Aktivitäten sowie dem Geschäft in Australien und Neuseeland interessiert und bereiteten derzeit ein Angebot vor. Damit würden sie dem weltgrößten Softwarekonzern Microsoft Konkurrenz machen, der bisher als aussichtsreichster Kandidat für den Zuschlag gilt. Dem Kurznachrichtendienst Twitter, der auch Interesse signalisiert haben soll, werden hingegen kaum Chancen zugerechnet.

Oracle-Gründer unterstützt Trump

US-Präsident Donald Trump hat ByteDance aufgefordert, TikToks US-Geschäft innerhalb von 45 Tagen zu veräußern. Die US-Regierung sorgt sich um einen Missbrauch der Nutzerdaten und will TikTok sowie WeChat vom chinesischen Technologieriesen Tencent verbieten.

Oracle-Mitgründer Larry Ellison ist einer der wenigen hochrangigen Manager eines Technologiekonzerns, der Trump offen unterstützt. "Ich denke, Oracle ist ein großartiges Unternehmen", sagte Trump während eines Besuchs in Yuma im Bundesstaat Arizona. Der Konzern könne TikTok in den USA übernehmen. Für Oracle würde ein solcher Zukauf eine strategische Neuausrichtung darstellen. Bisher erwirtschaftet der US-Konzern den Großteil seiner Einnahmen mit Software-Lizenzen und Cloud-Anwendungen.

ByteDance, TikTok, Oracle, General Atlantic sowie Sequoia waren zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Die "Financial Times" hatte als erstes über das Interesse von Oracle berichtet.

TikTok hat nach eigenen Angaben 100 Millionen Nutzer in den USA. Die Regierung in Washington warnt schon länger, über TikTok könnten Daten von US-Amerikanern in die Hände chinesischer Behörden geraten. TikTok versichert, die chinesische Regierung habe keinen Zugriff auf Nutzerdaten und habe dies auch nie verlangt. Die Daten von US-Nutzern würden in den USA gespeichert und verarbeitet. Als Chef von TikTok wurde jüngst der Disney-Manager Kevin Mayer geholt, der bei dem US-Konzern lange als Kronprinz galt.

Bei seiner Verfügung nahm Trump formell den Kauf der App Musical.ly durch Bytedance ins Visier, aus der später TikTok hervorging. Der Präsident untersagte die 2017 vollzogene Transaktion. Grundlage dafür war ein Verfahren bei dem Gremium CFIUS (Committee on Foreign Investment in the United States), das ausländische Investitionen in den USA überprüft. (apa,reuters)