Die Börsenrally an der Wall Street läuft weiter. Anleger griffen am Mittwoch vor allem bei Einzelhandelsfirmen und Tech-Werten zu. Der iPhone-Hersteller Apple schaffte eine weitere Bestmarke beim Aktienkurs und ist erstmals zwei Billionen Dollar wert.

Der breiter gefasste S&P 500 und der Index der Technologiebörse Nasdaq stiegen jeweils um rund 0,4 Prozent und erklommen bei 3399 und 11.257 Punkten erneut Rekordhochs. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gewann 0,5 Prozent auf 27.920 Punkte. Auch in Europa ging es an den Aktienmärkten aufwärts.

Hoffnung auf weitere Konjunkturhilfen treiben Kurse an

Solide Bilanzen und die Hoffnung auf weitere Konjunkturhilfen trieben Börsianern zufolge die Kurse. "Damit dieser Markt sein Allzeithoch halten kann, müssen wir aber entweder sehen, dass sich auf der fiskalischen Seite etwas entwickelt, oder dass die großen Tech-Werte weiterhin führend sind", sagte Marktstratege Yousef Abbasi beim Broker StoneX.

Positiv werteten Anleger, dass sich im Ringen um neue Hilfen zur Bewältigung der Corona-Krise in den USA Demokraten und Republikaner offenbar nun zumindest auf ein kleineres Paket einigen wollen. "Es könnte sich auf ungefähr 500 Milliarden Dollar belaufen", sagte ein mit der Angelegenheit vertrauter Regierungsmitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters. Seit dem Kurseinbruch im März haben vor allem billionenschwere Wirtschaftshilfen die Aufholjagd an den Börsen befeuert.

Die Furcht vor einer nur schleppenden Erholung der Nachfrage in den USA angesichts der Corona-Neuinfektionen schlug sich hingegen am Ölmarkt nieder. Die Öl-Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um 0,2 Prozent auf 45,38 Dollar je Barrel. Investoren warteten zudem auf die Protokolle der jüngsten US-Notenbanksitzung, die Signale für die weitere geldpolitische Richtung liefern könnten.

Zuhausebleiber kaufen mehr Videospiele und Küchengeräte

Für Gesprächsstoff in den Handelsräumen sorgte Apple. Die Aktien setzten ihre Rally fort und stiegen um bis zu 1,4 Prozent auf 468,65 Dollar. Damit knackte der iPhone-Hersteller als erstes US-Unternehmen an der Wall Street die Marke einer Marktkapitalisierung von zwei Billionen Dollar. Apple ist ohnehin bereits der wertvollste börsennotierte Konzern der Welt, nachdem er den saudischen Ölriesen Saudi Aramco überflügelt hatte. Seit Jahresbeginn haben die Titel rund 59 Prozent zugelegt. Anleger zeigten sich zuversichtlich, dass Apple auch nach der Coronakrise von einer steigenden Nachfrage nach seinen Produkten profitieren werde.

Die momentan hohen Bewertungen der amerikanischen Tech-Aktien, die an die Dotcom-Blase vor zwei Jahrzehnten erinnern, lassen Börsianer aber auch Rückschläge fürchten. Mittlerweile machen nur fünf Aktien - Apple, Microsoft, Amazon, der Google-Mutterkonzern Alphabet und Facebook - mehr als ein Fünftel der gesamten Marktkapitalisierung des S&P 500-Index aus.

Für gute Stimmung am Gesamtmarkt sorgten besser als erwartet ausgefallene Firmenbilanzen. Die in der Pandemie gestiegenen Verkaufszahlen für Videospiele, Küchengeräte und Kleidung beim US-Einzelhändler Target lockten Investoren an. Die Aktien kletterten um dreizehn Prozent auf ein Rekordhoch. Auch die Zahlen der Baumarktkette Lowe's überzeugten. Die Papiere gewannen mehr als drei Prozent. Viele Amerikaner nutzten die Kontaktbeschränkungen wegen der Coronavirus-Pandemie für Renovierungen.

Anleger langten auch bei Aktien von Momenta zu, nachdem der US-Pharmariese Johnson & Johnson das Biotechunternehmen aus dem Bundesstaat Massachusetts für 6,5 Milliarden Dollar kaufen will. Die Papiere kletterten um 69,5 Prozent auf 52,21 Dollar. J&J will 52,50 Dollar je Momenta-Aktie in bar zahlen. (reuters)