Das hätte für die Deutsche Bank ordentlich ins Auge gehen können. Laut einem Bericht der "Financial Times" (FT) haben Berater von McKinsey eine 40 Seiten lange Präsentation vorgelegt, wie eine Übernahme der Deutschen Bank durch den Zahlungsdienstleister Wirecard aussehen könnte. Es soll auch Gespräche mit Vertretern der Deutschen Bank gegeben haben. Die Vorbereitungen liefen unter dem Codenamen "Project Panther". Im Juni meldete die Wirecard AG dann Insolvenz an.

Ex-Wirecard-Chef Markus Braun soll einen Zusammenschluss beider Institute zur "Wirebank" angestrebt haben. Die Übernahme hätte Wirecard die Möglichkeit gegeben, den jahrelangen Bilanzbetrug zu verschleiern, schreibt die "FT". Die Gespräche sollen jedoch vonseiten der Deutschen Bank beendet worden sein.

Zur Erinnerung: Im Juni hätte Wirecard seinen mehrmals verschobenen Jahresabschluss präsentieren sollen. Die Abschlussprüfer der Firma EY teilten dem Finanzinstitut mitt, dass über den Beleg von Bankguthaben "in der Höhe von 1,9 Milliarden Euro noch keine ausreichenden Prüfungsnachweise zu erlangen waren". Markus Braun sitzt in Untersuchungshaft. Jan Marsalek, ebenfalls früheres Vorstandsmitglied, ist auf der Flucht, er wird mittels internationalem Haftbefehl gesucht.

Drei Milliarden Schaden

Was mit dem Geld passiert ist und ob es dieses je gegeben hat, ist jetzt Sache des Ermittlungsverfahrens. Am Dienstag hat das Amtsgericht in München ein Insolvenzverfahren eingeleitet. Der Zahlungsdienstleister hatte im Juni Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Wirecard seit 2015 Scheingewinne auswies. Der Schaden für die kreditgebenden Banken und Investoren könnte sich auf 3,2 Milliarden Euro summieren. Dem folgte ein Kahlschlag bei Wirecard.

Von den gut 1300 Mitarbeitern werden 730 gekündigt - darunter auch Teile des Vorstands. Die restlichen 570 Angestellten sollen weiterhin am Standort in Aschheim bei München beschäftigt bleiben. Darunter sind auch 220 Angestellte der nicht insolventen Wirecard Bank.

Insolvenzverwalter Michael Jaffé kümmert sich nun um den Nachlass von Wirecard. Im Verkaufsprozess für das Kerngeschäft und die Wirecard Bank AG "stehen wir aktuell mit mehreren namhaften Interessenten in Verhandlungen über einen Erwerb. Die Erlöse aus der Verwertung werden dabei den Gläubigern zugutekommen", sagte Jaffé. Die Verwertung weiterer Wirecard-Beteiligungen weltweit mache Fortschritte. Am 18. November finde die erste Gläubigerversammlung statt - voraussichtlich im Löwenbräukeller in München.

Der Prozess könnte jedenfalls noch Jahre dauern. Investoren und Gläubiger sollen um drei Milliarden Euro geprellt worden sein. Auf Wirecard kommt nun eine Klagswelle zu. Anleger werden ihr Geld wohl nicht mehr sehen. Notierte die Wirecard-Aktie zu Hochzeiten bei 200 Euro, ist sie mittlerweile nur noch als hoch-spekulativ zu bewerten und um 1,16 Euro zu haben.(del/dpa)