Der Dax-Neuling Delivery Hero baut sein Onlinegeschäft mit Lebensmitteln mit einem Zukauf aus. Am Donnerstag gab der in Berlin ansässige Essenslieferdienst bekannt, das im Nahen Osten und Nordafrika tätige Unternehmen InstaShop zu einem Firmenwert von 360 Millionen Dollar gekauft zu haben. Ziel sei es nun, neue Märkte zu erschließen. Im Gegensatz zu Delivery Hero soll das fünf Jahre alte Unternehmen bereits schwarze Zahlen schreiben. Der neue Mutterkonzern rutschte hingegen von Januar bis Juni trotz einer Verdoppelung des Umsatzes tiefer in die roten Zahlen.

Der bereinigte Betriebsverlust weitete sich auf fast 320 Millionen Euro aus nach 171 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Delivery Hero begründete dies zum einen mit in der Corona-Krise notwendig gewordenen Unterstützungen für Restaurants sowie Investitionen - vor allem in den Ausbau seiner sogenannten Dmarts - eigener Lagerhäuser, von denen aus die Waren innerhalb kürzester Zeit an Kunden geliefert werden. Mit InstaShop hat sich Delivery Hero nun ein Marktplatz-Unternehmen geschnappt, dass die Käufer mit den Verkäufern zusammenbringt.

Delivery erstzt Wirecard

Delivery Hero ist seit Montag im deutschen Leitindex Dax und hat dort den insolventen Zahlungsabwickler Wirecard ersetzt. Am Donnerstag ging es zunächst mit den Aktien nach unten: Zum Handelsstart büßten sie 1,8 Prozent ein.

Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg, der den in mehr als 40 Ländern aktiven Essenslieferdienst 2011 gegründet hat, will sich gegen die harte Konkurrenz durch Takeaway.com, Uber und andere Wettbewerber durch Wachstum durchsetzen. "Wir sind später als Amazon und Google gestartet und können deswegen nicht nur organisch wachsen, sondern müssen unser Wachstum über signifikante Investitionen stemmen", hatte der 40-Jährige im Reuters-Gespräch gesagt.

In der Corona-Krise gewann das Unternehmen viele neue Kunden, die angesichts geschlossener Restaurants zum ersten Mal oder häufiger ihre Mahlzeiten online orderten und sich liefern ließen. Der Umsatz kletterte im ersten Halbjahr um fast das Doppelte auf fast 1,13 Milliarden Euro, wie Delivery Hero bereits Ende Juli bekanntgab. Damals hatte der Konzern, der das Deutschlandgeschäft an den Konkurrenten Takeaway.com verkauft hat, auch seine Jahresprognose angehoben. Trotz der im ersten Halbjahr erzielten Ebitda-Marge von minus 28,4 Prozent soll es im Gesamtjahr noch zu einer Spanne von minus 14 bis minus 18 Prozent reichen. (apa, reuters)