Covid-19 machte auch vor der Flugbranche nicht Halt. Wochenlang mussten die Flieger am Boden bleiben, erstmals seit langer Zeit gab es keine Kondensstreifen am Himmel. Doch wie geht es weiter? Und vor allem: Werden Billigfluglinien ihre Rabattschlacht fortsetzen können? Dara Brady, Marketingchef bei Ryanair, steht Rede und Antwort:

"Wiener Zeitung": Herr Brady, bereits vor der Corona-Krise hat Ryanair Flugtickets zum Billigtarif angeboten. So billig wie jetzt, war es aber noch nie. Mittlerweile verlangen Sie 5 Euro für Flüge nach London, Malaga oder Mailand. Ist das noch kostendeckend?

Dara Brady: Wir verdienen kein Geld mit Flügen um einen Fünfer. Doch wir sind eine Billigfluggesellschaft, wir haben die niedrigsten Kosten in der Branche, wir haben ein sehr einfaches Geschäftsmodell. Flüge um fünf Euro sind nur gute Nachrichten für Kunden in Wien. Ich glaube nicht, dass es das schon einmal gegeben hat. Es gibt nun schon eine ganze Weile ein Rennen um den besten Preis, aber niemand in der Branche kann Fünf-Euro-Tarife anbieten und trotzdem Geld verdienen. Wir sind immer noch eine der profitabelsten Fluggesellschaften in Europa.

Können Sie mir Ihr Finanzierungsmodell erklären?

Wir haben 189 Sitzplätze in einem Flugzeug. Wenn wir unser Flugzeug füllen, beginnen wir mit den niedrigsten Tarifen. Je mehr Sitze wir verkaufen, desto teurer wird es. Aus diesem Grund empfehlen wir unseren Kunden auch, frühzeitig zu buchen. Die gute Nachricht ist, dass es im Flugzeug mehr billige Sitzplätze gibt als jemals zuvor. Und wir sind uns sicher, dass man diesem Angebot nur sehr schwer widerstehen kann. Um fünf Euro nach Mailand, das Angebot ist zu gut, um es abzulehnen.

Was ist der Durchschnittspreis eines Tickets pro Flugzeug?

Das ist von Tag zu Tag, von Route zu Route, von Flug zu Flug unterschiedlich. Wir haben darüber keine genaue Aufschlüsselung. Was wir wissen ist der Durchschnittswert pro Jahr. Dieser lag 2019 bei 37 Euro.

Wie lange können Sie mit diesen Preisen durchhalten?

Dara Brady ist verantwortlich für die Leitung der digitalen Transformation von Ryanair und die Überwachung der Einführung der Plattform- und Produktstrategie in allen digitalen Kanälen.
Dara Brady ist verantwortlich für die Leitung der digitalen Transformation von Ryanair und die Überwachung der Einführung der Plattform- und Produktstrategie in allen digitalen Kanälen.

Wir haben nicht vor, unsere Flüge teurer anzubieten.

Der durch Covid-19 erzwungene Lockdown hat uns zu einer Pause gezwungen, zu einer Reflexion, was wirklich Wert hat. Viele Menschen wünschen sich seither mehr Einsatz für den Umweltschutz. Was ist Ryanairs Beitrag?

Es gibt kein Entkommen für die Luftfahrtindustrie, was Emissionen betrifft. Man kann sich aber trotzdem um die Umwelt kümmern. Wir sind Partner vieler verschiedener Initiativen, die darauf abzielen, den CO2-Fußabdruck zu verringern. Es gibt bei uns auch die Möglichkeit einer CO2-Ausgleichsspende auf der Website. Wir wechseln zu neuen Flugzeugen, die weniger Treibstoff verbrauchen. Es ist ein bisschen so, wie bei Autos. Je älter das Auto ist, desto mehr Abgase werden rausgeblasen. Ryanair betreibt eine der jüngsten Flotten in Europa. Wir sind sehr effizient. Je mehr Passagiere wir fliegen, desto weniger Kraftstoff wird pro Passagier verbraucht. All diese Dinge bedeuten, dass wir in Bezug auf den CO2-Verbrauch pro Passagier zu den niedrigsten gehören.

Die Europäische Kommission hat eine CO2-Steuer vorgeschlagen. Was halten Sie davon?

Es ist wahrscheinlich ein weiteres Beispiel für eine Steuer um einer Steuer willen. Ich glaube nicht, dass wir dadurch irgendwelche wissenschaftlichen Erkenntnisse oder Beweise für eine Reduzierung des Kohlenstoffgehalts bekommen werden. Sie sind wie alle anderen Steuern nur eine Form einer Einnahmequelle, nur etwas anders verkleidet. Wir sind für vernünftige und wirksame Maßnahmen. Die müssen aber branchenweit für alle gelten.

Immer wieder steht Ryanair wegen fragwürdiger Arbeitsbedingungen im Rampenlicht. Schwere Verstöße gegen geltendes Arbeitsrecht werden Ihnen vorgeworfen. Sind Ihnen ihre Mitarbeiter egal?

Natürlich kümmern wir uns um unsere Mitarbeiter. Das wir eine schwierige Beziehung zu unseren Mitarbeitern haben, ist eine der größten Mythen, die herumschwirren, angeregt durch Gewerkschaften in den Medien. Das ist aber absolut falsch. Wir haben eine sehr gute Arbeitsbeziehung zu unseren Mitarbeitern. Wenn das nicht so wäre, wie sollten wir dann all diese Geschäfte in ganz Europa abwickeln?

Sie drohten mit der Schließung des Wiener Standorts ihrer Tochter Laudamotion, weil die Gewerkschaft die Gehaltskürzungen auf 848 Netto-Einstiegsgehalt für Flugbegleiterinnen nicht akzeptieren wollte. 848 Euro sind deutlich unter der aktuellen Armutsgefährdungsschwelle von 1259 Euro im Monat.

Das ist einfach falsch. Jedes Unternehmen hat gewisse Mindeststandards. In vielen Fällen ist das Gehalt, das unserem Kabinenpersonal gezahlt wird, höher als das, was Krankenschwestern und Lehrer erhalten. Ryan Air ist eigentlich ein sehr guter Zahler. Zudem konnten wir an vielen unserer Standorte unseren Mitarbeitern Zugeständnisse machen, um den Verlust von Arbeitsplätzen zu minimieren. Und genau das war unserer Situation in Wien mit Laudamotion. Unsere Belegschaft hatte unseren Bedingungen zugestimmt, und es war die Gewerkschaft, die sich geweigert hat.

Wird es Ryanair nach Corona noch geben?

Ryanair wird noch größer und besser sein und noch günstigere Tarife anbieten als heute. Im Gegensatz zu den anderen Fluggesellschaften. Wir glauben, dass diese in Zukunft nicht mithalten können oder zu viel größeren Fluggesellschaften zusammengefasst werden.