Das deutsche Bundeskartellamt will Internet-Riesen weiter genau auf die Finger schauen. "Wir bleiben dran an diesem Thema", sagte Kartellamtschef Andreas Mundt am Mittwoch in einer Video-Konferenz in Bonn. Die Wettbewerbshüter untersuchten aktuell etwa, ob Amazon die Preise von Händlern auf seinen Plattformen beeinflusse, erläuterte Mundt.

Das Kartellamt hatte bereits zahlreiche Verfahren in dem Wachstumsmarkt angestrengt. Unter anderem hat die Regulierungsbehörde neben Amazon auch Facebook ins Visier genommen. Im Falle von Facebook hatte sie etwa "weitreichende Beschränkungen" für die Verarbeitung von Nutzerinformationen verhängt. Der Bundesgerichtshof hatte die Entscheidung im Juni in einem Eilverfahren bestätigt.

Mehr Firmenfusionen zu erwarten

Als Folge der Coronakrise erwartet das Kartellamt Fusionen von Unternehmen. "Wir haben bereits erste Anzeichen dafür, dass wir zahlreiche Übernahmen von Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten sehen werden", sagte Mundt. Durch die weitreichenden Coronaschutzmaßnahmen im März und April sei die Zahl der geplanten Übernahmen aber zunächst deutlich gesunken. Von Jänner bis Ende Juni seien 505 Fusionsvorhaben angemeldet worden, mehr als 20 Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Allein im Mai habe es über 50 Prozent weniger Neuanmeldungen gegeben als im Mai 2019. "Ich gehe aber davon aus, dass diese Zahl in den nächsten Monaten auch krisenbedingt wieder anziehen wird", sagte Mundt bei der Vorlage des Jahresberichts der Behörde für 2019.

Im vergangenen Jahr hatten die Wettbewerbshüter rund 1.400 angemeldete Übernahmen geprüft. In vier Fällen endete das Verfahren mit einer Untersagung des Zusammenschlusses. In sechs Hauptprüfverfahren zogen die Beteiligten ihr Vorhaben, teils aufgrund von Bedenken des Bundeskartellamts, zurück. Zu den aktuell größten Prüfungen durch das Kartellamt gehören Pläne von Kaufland und Edeka, Filialen der SB-Warenhauskette Real zu übernehmen. (reuters/dpa/swi)