Die Sommerzahlen zu Wizz Air erwecken fast den Eindruck, es sei keine Pandemie in Gange: Von April bis August eröffnete die ungarische Billigfluggesellschaft mehr als 200 neue Routen, elf neue Standorte und erhielt zehn neue Flugzeuge. Die Ticketpreise sollen weiterhin billig bleiben - sie sollen sogar um 10 bis 20 Prozent sinken, sagte der Wizz Air CEO József Váradi am Montag in einer Pressekonferenz.

Knapp fünf Millionen Fluggäste verbuchte Wizz Air von April bis August. Dabei waren durchschnittlich 63 Prozent der Sitzplätze belegt. Im Vergleich zum Vorjahr flogen im August um etwa die Hälfte weniger Fluggäste.

1.000 Stellen durch Corona-Krise abgebaut

Die wirtschaftlich herausfordernde Situation kompensierte die Fluggesellschaft mit Gehaltskürzungen von 15 Prozent und Kündigungen. Ein Fünftel der insgesamt 5.000 Mitarbeiter verloren ihren Job, von den 251 Stellen in Wien ist keine betroffen. Die gekündigten Mitarbeiter sollen nach der Krise wieder eingestellt werden - die neuen Flugzeuge brauchen schließlich ihr Personal. Kurzarbeit wurde bei Wizz Air nicht eingeführt, denn "das würde die Arbeitslosigkeit bloß verstecken und den Steuerzahlern Geld kosten", meinte der Wizz Air Chef
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Was die kommenden Monate anbelangt, hofft Wizz Air, keine Routen schließen zu müssen. Trotzdem bereitet sich die Fluggesellschaft auf das Worst-Case-Szenario vor. Das wäre der Fall, wenn alle Maschinen am Boden bleiben müssten. Pro Monat würde das einen Verlust von 70 Millionen Euro bedeuten. Durch ein Cash-Polster von 1,5 Milliarden Euro könne die Airline aber selbst das für zwei Jahre verkraften, hieß es vom Wizz-Chef.

Marktanteil um 47 Prozent gestiegen

Obwohl Wizz Air von der Corona-Krise nicht verschont geblieben ist, sei der Sommer den Umständen entsprechend gut gelaufen. So habe Wizz Air den Marktanteil in Wien deutlich ausbauen können. Dieser stieg von acht Prozent im Jänner auf 15 Prozent im August. Damit zählt sich Wizz Air neben Ryanair und Austrian Airlines zu den drei dominierenden Airlines am Wiener Flugmarkt.

Die Corona-Staatshilfen an Fluglinien - wie jene an die Austrian Airlines - kritisierte József Váradi als "unfair" und ineffizient: "Warum halten Regierungen Fluglinien künstlich am Leben? Die Fluglinien müssen ihr Business-Modell ändern." Für Wizz Air würden solche Geldspritzen nicht in Frage kommen, denn sie würden den Wettbewerb verzerren und Steuergeld verschwenden – "Wir wollen kein Steuergeld, wir sind am Markt", sagte József Váradi.

Ticketpreise bleiben günstig

Auch die von Österreich diskutierten Mindestpreise für Flugtickets (40 Euro) fanden bei József Váradi keinen Anklang. "Mobilität ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis", sagte er. Er hält Mindestpreise weder für eine Lösung der Klimakrise noch für legal durchführbar.

Bei Wizz Air sollen die Preise günstig bleiben. Aller Voraussicht nach werden sie sogar noch um 10 bis 20 Prozent weiter sinken, bis sie mit dem nächsten Wirtschaftsaufschwung wieder steigen.

Dass Wizz Air mit den billigen Tickets ein falsches Signal setze, glaubt József Váradi nicht. Im Vergleich zur Konkurrenz hätte Wizz Air die niedrigsten CO2-Emissionen pro Passagier. "Wenn du mit Wizz Air fliegst, ist der CO2-Ausstoß nur halb so hoch wie bei den Austrian Airlines", so der CEO. Denn Wizz Air habe die moderneren Flugzeuge, erklärte Váradi. Bis 2030 möchte die Fluggesellschaft die CO2-Emissionen um 30 Prozent reduzieren. Das soll durch den Zukauf von 259 neuen, effizienteren Maschinen erreicht werden.