Im Übernahmewettbewerb um die Mailänder Börse buhlt die Deutsche Börse Insidern zufolge um die Gunst der italienischen Behörden. Diese haben am Ende das letzte Wort in der Frage, wer den Zuschlag für die Tochter des britischen Börsenbetreibers LSE erhält.

Die Deutschen hätten der Borsa Italiana im Fall einer Übernahme weitgehende Selbstständigkeit zugesichert, sagten mit der Sache vertraute Personen. Die LSE werde im Laufe des Donnerstags über das Offert der Deutschen Börse, der Schweizer Börse SIX sowie der Mehrländerbörse Euronext beraten. Die Londoner wollten sich dazu nicht äußern.

Die Deutsche Börse sei in Gesprächen mit einem italienischen Partner über ein Gemeinschaftsunternehmen, um Borsa Italiana zu übernehmen, erläuterten Insider. Der Regierung in Rom versprach sie einen Sitz in ihrem Aufsichtsrat. Zudem sagte sie zu, dass die Mailänder Börse weiterhin von einem Italiener geführt werden solle. Die Frankfurter lehnten einen Kommentar ab.

Schweizer Börsenbetreiber SIX startet Charmeoffensive

Auch die Schweizer fahren eine Charmeoffensive, um grünes Licht aus Rom zu bekommen. SIX-Chef Jos Dijsselhof sagte der italienischen Zeitung "Corriere della Sera", er sei bereit, einem italienischen Partner "signifikant" einzubeziehen. Zudem bot er italienischen Vertretern Sitze im Verwaltungsrat und in der Geschäftsleitung von SIX an. Mit dem Offert vertraute Personen sagten Reuters, SIX habe das höchste Angebot vorgelegt. Der Wert der Borsa Italiana wird von Insidern auf drei bis vier Milliarden Euro geschätzt.

Euronext bietet bereits offiziell gemeinsam mit der italienischen Staatsbank Cassa Depositi e Prestiti und dem italienischen Institut Intesa Sanpaolo für Borsa Italiana. Insider sagten, die Regierung in Rom sei sehr daran interessiert, dass Euronext die Oberhand gewinne, da sie ein Mitspracherecht bei der zukünftigen Strategie und beim Management der Borsa Italiana anstrebe. Italiens Finanzminister Roberto Gualtieri habe sich in der vergangenen Woche bei einem privaten Treffen in Rom mit Euronext-Chef Stephane Boujnah über die Zukunft der Mailänder Börse ausgetauscht.

Die LSE muss die Tochter in Mailand zumindest zum Teil verkaufen, um von der EU-Wettbewerbsbehörde grünes Licht für die 27 Milliarden Dollar (22,8 Milliarden Euro) teure Übernahme des Datenanbieters Refinitiv zu bekommen. Refinitiv ist ein Gemeinschaftsunternehmen vom US-Investor Blackstone und dem Datenanbieter Thomson Reuters, zu dem auch die Nachrichtenagentur Reuters gehört. (reuters/kle)