US-Präsident Donald Trump will nur grünes Licht für einen TikTok-Deal geben, bei dem sich der chinesische Kurzvideodienst am Ende mehrheitlich in US-Händen befindet. Dies sagte Trump in einem Interview mit Fox News. Er werde das Geschehen genau verfolgen. Zwar sollen sich am Wochenende der chinesische TikTok-Eigner Bytedance mit Oracle sowie Walmart auf einen Deal geeinigt haben, jedoch gibt es weiterhin unterschiedliche Aussagen zu den Mehrheitsverhältnissen.

ByteDance dementiert US-Aktionärsmehrheit

ByteDance erklärte am Montag, das globale TikTok-Geschäft werde weiterhin als Tochter geführt. Es seien "Gerüchte", dass die Mehrheit in den Händen von US-Akteuren liegen werde. Gegensätzlich hatten sich am Wochenende der Unternehmenssoftwarekonzern Oracle wie auch der Einzelhändler Walmart geäußert.

Demnach wollen die US-Konzerne 12,5 Prozent beziehungsweise 7,5 Prozent an TikTok Global erwerben. Weitere US-Investoren unter den Eigentümern von Bytedance sollten demnach sicherstellen, dass die Mehrheit in den Händen von US-Amerikanern liegt. Am Wochenende hatte Trump nach langem Hin und Her grundsätzlich einem Weiterbetrieb von TikTok in den USA zugestimmt, droht wegen Sicherheitsbedenken aber mit einem Verbot, sollte der Verkauf scheitern.

Insidern zufolge ließen sich die unterschiedlichen Aussagen zu den Mehrheitsverhältnissen auf einen Nenner bringen, wenn die ByteDance-Anteilseigner aus den USA wie General Atlantic und Sequoia in Betracht gezogen werden. In den chinesischen Medien wurde die Ankündigung, dass ByteDance weiterhin die Mehrheit halte, positiv aufgenommen. Damit sei ByteDance "nicht aus dem Spiel", urteilte die "Global Times". ByteDance habe das Schlimmste verhindert.

Bei den Verhandlungen spielten auch die Algorithmen eine große Rolle, die unter anderem bestimmen, welche Videos in welcher Reihenfolge den Nutzern empfohlen werden. Hier soll das Geheimnis des Erfolgs von TikTok liegen. Es gebe bisher keine Pläne, Algorithmen bei dem Deal mit Oracle und Walmart zu übergeben, teilte ByteDance mit. Bei einer Übertragung von Algorithmen wäre die Zustimmung des chinesischen Handelsministeriums zu dem Geschäft notwendig geworden. Oracle und Walmart erklärten, jegliche TikTok-Technologie werde sich in den Händen des neu zu gründenden Unternehmens TikTok Global befinden.

Trump hatte am 14. August verfügt, ByteDance habe 90 Tage Zeit, um TikTok zu verkaufen, ansonsten werde der vor allem bei Jugendlichen beliebte Dienst verboten. Der Republikaner, der gerade um seine Wiederwahl kämpft, begründet diese Haltung mit der Sorge um die Nutzerdaten von 100 Millionen US-Amerikanern, die in den Händen der Kommunistischen Partei Chinas landen könnten. Diese Nutzerdaten sollen TikTok zufolge künftig von Oracle verwaltet werden. Der US-Konzern soll demnach auch für die Sicherheit aller damit in Verbindung stehenden IT-Systeme zuständig sein.

Kommission zur Förderung "patriotischer Bildung"

TikTok hatte bereits einen Cloud-Deal mit einem anderen US-Unternehmen, Amazons IT-Tochter AWS. Trump ist in der Vergangenheit häufiger mit Attacken gegen den Gründer und Chef des Online-Händlers, Jeff Bezos, aufgefallen. Bezos gehört privat die Zeitung "Washington Post", in der Trump oft kritisiert wird. Oracle-Gründer Larry Ellison ist dagegen einer der prominentesten Unterstützer Trumps im Silicon Valley. Walmart wiederum ist ein Amazon-Konkurrent.

TikTok werde außerdem fünf Milliarden Dollar (4,23 Mrd. Euro) an einen Bildungsfonds in Texas überweisen, wie Trump bei einem Wahlkampfauftritt in Fayetteville im US-Staat North Carolina sagte. Er hatte zuvor verlangt, dass die US-Regierung eine Art Kommission bekommen müsse, weil sie den Deal herbeigeführt habe. Der Bildungsfonds solle dafür sorgen, "dass die echte Geschichte unseres Landes unterrichtet wird", sagte Trump. Er hatte vor einigen Tagen die Bildung einer Kommission zur Förderung patriotischer Bildung angekündigt - der Republikaner begründete dies auch damit, dass die historische Bedeutung der Sklaverei aktuell zu stark hervorgehoben werde.

Anleger greifen nun nach den Aktien von Oracle und Walmart. Die Oracle-Papiere kletterten vor Start der US-Börsen am Montag um rund vier Prozent. Der Kurs von Walmart legte rund ein Prozent zu. Dagegen büßten Microsoft-Aktien 2,5 Prozent ein. (ast/apa/reu)