Bis zum Jahr 2045 wird die Weltbevölkerung voraussichtlich auf 9,5 Milliarden Menschen anwachsen, die globale Wirtschaftsleistung dürfte sich mehr als verdoppeln. Unter diesen Annahmen wird der weltweite Energiebedarf im selben Zeitraum um ein Viertel zunehmen, vor allem durch den wachsenden Energiehunger Indiens und Chinas - das erwartet die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC), die am Donnerstag ihren "World Oil Outlook 2020" veröffentlicht hat.

Um ihre eigene wirtschaftliche Zukunft machen sich die Öl- und Gasförderländer keine Sorgen: Auch im Jahr 2045 sollen Erdöl und Erdgas noch immer mehr als die Hälfte des weltweiten Primärenergiebedarfs decken. Die Elektromobilität wird laut OPEC-Erwartungen stark zunehmen, dennoch werde der Straßenverkehr auch in einem Vierteljahrhundert noch immer für 43 Prozent des Ölverbrauchs verantwortlich sein. Von den 2,6 Milliarden Fahrzeugen, die im Jahr 2045 auf den Straßen unterwegs sein werden, sollen rund 430 Millionen Elektrofahrzeuge sein.

Bevölkerungswachstum fast ausschließlich in Nicht-OECD-Ländern

Die Coronakrise werde das Wirtschaftswachstum in fast allen Ländern auch mittelfristig dämpfen, sagten die OPEC-Ökonomen. Bis 2025 werde die Wirtschaftsleistung der OECD-Länder nur um durchschnittlich 0,7 Prozent pro Jahr wachsen, verglichen mit 2,1 Prozent in der Zeit vor Corona. Für Nicht-OECD-Länder wird ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3,4 Prozent pro Jahr erwartet, das ist um mehr als ein Prozentpunkt weniger als vor der Pandemie. Auch langfristig wird das globale BIP-Wachstum hauptsächlich von Nicht-OECD-Ländern getragen. Diese Länder werden bis 2045 voraussichtlich im Durchschnitt um 3,7 Prozent pro Jahr wachsen.

Das globale BIP wird voraussichtlich von rund 121 Billionen US-Dollar (knapp 103 Billionen Euro) im Jahr 2019 auf über 258 Billionen Dollar im Jahr 2045 steigen, basierend auf Kaufkraftparitäten 2011. In 25 Jahren sollen Indien und China zusammen für rund 40 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung verantwortlich sein. Der Anteil der OECD-Länder wird hingegen von rund 43 Prozent auf 31 Prozent sinken. 96 Prozent der erwarteten Bevölkerungszunahme um 1,7 Milliarden auf 9,5 Milliarden Menschen werden auf Nicht-OECD-Länder entfallen.

Erneuerbare sollen 2045 ein Fünftel des Energiebedarfs decken

Der weltweite Primärenergiebedarf wird im Prognosezeitraum voraussichtlich von derzeit 289 Millionen Barrel Ö-Äquivalent pro Tag (mboe/d) um ein Viertel auf 361 mboe/d steigen. Dabei soll die Energienachfrage in den Nicht-OECD-Ländern um 76,5 mboe/d steigen, in der OECD hingegen um 4,4 mboe/d sinken. Fast die Hälfte der gesamten Verbrauchszunahme soll aus Indien und China stammen.

Der Ölverbrauch dürfte in den kommenden Jahrzehnten nur noch leicht steigen und der Anteil von Öl am gesamten Energiemix von 31,5 Prozent auf 27,5 Prozent sinken. Dabei gehen die OPEC-Ökonomen davon aus, dass die Covid-19-Pandemie im kommenden Jahr weitgehend überwunden und sich die Ölnachfrage dann teilweise erholen wird. Bis 2025 soll die Ölnachfrage 94,4 mboe/d erreichen.

Der Erdgasverbrauch soll um fast ein Viertel zulegen, der Anteil von Gas am Energiemix dann 25,3 Prozent betragen, womit Öl und Gas zusammen immer noch mehr als die Hälfte des globalen Energiebedarfs decken werden. Kohle wird nicht mehr so eine große Rolle spielen wie heute, ihr Anteil wird von 26,7 Prozent auf 19,7 Prozent zurückgehen - dennoch werden fossile Energieträger insgesamt auch in Jahrzehnten noch eine überragende Bedeutung haben.

Zulegen dürften auch Atomenergie, Wasserkraft und Biomasse, vor allem aber erneuerbare Energieträger wie Solar- und Windenergie. Die Erneuerbaren sollen laut Prognose im Jahr 2045 mehr als ein Fünftel des Energiebedarfs decken.

Um den anhaltenden Ölhunger zu stillen, werden nach OPEC-Berechnungen langfristig jährliche Investitionen von 380 Mrd. Dollar notwendig sein. (apa, reuters)