Die Metall-Arbeitgeber fordern von den rund vier Millionen Beschäftigten der Branche angesichts der Coronafolgen eine doppelte Nullrunde. "Lohnerhöhungen sind weder dieses noch nächstes Jahr realistisch", sagte Gesamtmetall-Chef Rainer Dulger der "Süddeutschen Zeitung" laut Vorab-Bericht aus der Mittwoch-Ausgabe. Die Produktion in der Metall- und Elektrobranche schrumpfe heuer um bis zu 17 Prozent.

"Über Lohnsteigerungen reden wir, wenn es etwas zu verteilen gibt. Momentan steht alles im Minus", sagte Dulger. Auch habe die Industrie einen Strukturwandel zu bewältigen. "Da wäre eine Lohnerhöhung falsch."

Skepsis zu Vier-Tage-Woche mit Lohnausgleich

Eine doppelte Nullrunde habe es nach Angaben aus der Branche in der Nachkriegszeit noch nie gegeben, berichtete die "SZ". IG-Metall-Chef Jörg Hofmann habe allerdings bereits im August eine Lohnforderung angekündigt. Die Gewerkschaft will am Donnerstag über ihre Forderungen für die Tarifrunde beraten.

Dulger lehnte auch Hofmanns Vorschlag ab, durch eine Vier-Tage-Woche mit einem "gewissen Lohnausgleich" Jobs zu sichern. "Ich kann mir da gar nichts vorstellen", so Dulger. "Wer in dieser Lage Arbeit noch teurer macht, als sie ohnehin schon ist, riskiert, dass Firmen auf Dauer Arbeitsplätze ins Ausland verlagern." Hofmanns Argument, kürzere Arbeitszeiten hätten positive Effekte auf die Produktivität, sei Unsinn. In den vergangenen zehn Jahren seien die Löhne in der Branche um über 30 Prozent gestiegen, die Produktivität aber nur um 3 Prozent.

Der IG Metall geht es um eine "langfristige Absicherung der Industriearbeit in Zeiten beschleunigter Produktivitätssteigerung". Die Produktion werde sich wahrscheinlich nur in "Trippelschritten" erholen und frühestens 2022/2023 wieder das Vorkrisenniveau erreichen, so Hoffmann. "Nach drei Jahren haben wir zwar das Auftragsvolumen der Vorkrisenzeit, aber wir hätten zehn bis 15 Prozent weniger Arbeitsvolumen in den Betrieben." Vor diesem Hintergrund sei eine Neuverteilung der Arbeit nötig.

In Österreich haben sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter im September in der ersten Verhandlungsrunde auf einen Kollektivvertrag geeinigt, demzufolge Löhne und Gehälter in der Branche um 1,45 Prozent steigen. (apa/reuters)