Der größte Börsengang aller Zeiten steht unmittelbar bevor. Die Fintech-Firma Ant Financial, Tochter des chinesischen Amazon-Rivalen Alibaba, hat mit der Vorlage eines Wertpapierprospekts bereits Ende August den Startschuss für eine Aktienplatzierung an den Börsen in Hongkong und Shanghai gegeben. Eigentlich hätte schon Anfang Oktober die Zeichnungsfrist für den Kauf der Aktien beginnen und Ende Oktober dann der Sprung auf das Börsenparkett erfolgen sollen. Am Mittwoch gab dann die chinesische Wertpapieraufsicht (CSRC) ihren Segen für den Börsengang. Ant erklärte daraufhin, den Preis für die Aktien am 27. Oktober festzulegen. Eine Preisspanne für die angebotenen 3,4 Milliarden Aktien sowie einen Termin für die Erstnotiz nannte der Betreiber des Bezahldienstes Alipay in seinem am Mittwoch aktualisierten Börsenprospekt nicht. Dem Vernehmen nach soll er kurz nach der Präsidentschaftswahl in den USA vonstattengehen.

Ant, Betreiber des Online-Bezahldienstes Alipay, hatte mit reichlich Gegenwind zu kämpfen, und der hat seinen Zeitplan für den Börsengang, bei dem von einem Volumen von 35 Milliarden Dollar (fast 30 Milliarden Euro) die Rede ist, durcheinandergebracht. So brauchte der zum Firmenimperium von Alibaba-Gründer Jack Ma gehörende Konzern für sein Doppel-Listing in Hongkong und Shanghai die finale Zustimmung der chinesischen Finanzaufsicht.

Möglicher Interessenkonflikt

Konkret ging es hier um einen möglichen Interessenkonflikt. Insider verwiesen darauf, dass Alipay für manche Kleinanleger der einzige Kanal sei, um sich an Ant beteiligen zu können. Dafür seien eigene Investmentfonds aufgelegt worden, in die mehr als zehn Millionen Kleinanleger investiert hätten. Das Problem: Ant nutzt so sein Fast-Monopol, um Banken und Brokerfirmen, über die Anleger bei einem Börsengang normalerweise Aktien kaufen können, lukrative Geschäfte abzujagen.

Ebenfalls ein Punkt, der den Börsengang belastet: Um Ant Financial ist ein Streit zwischen China und den USA entbrannt. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters will das US-Außenministerium das Unternehmen auf eine schwarze Liste setzen. China erklärte indes, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Rechte und Interessen seiner Firmen zu schützen. Die US-Regierung plant, Amerikanern die Teilnahme am Börsengang von Ant zu verwehren. Sie befürchtet, dass Chinas Regierung auf sensible Bankdaten zukünftiger US-Nutzer von Alipay zugreifen könnte.

USA drohen mit Sanktionen

Wie die Sanktionen gegen Ant aussehen und ab wann sie schlagend werden könnten, ist noch unklar. Insider sagten Reuters, das Außenministerium habe der Trump-Regierung Vorschläge gemacht, aber es sei nicht klar, wann sich die betreffenden Behörden damit beschäftigen. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums schlug scharfe Töne an und meinte, die USA missbrauchten ihr Konzept der nationalen Sicherheit, um Firmen aus dem Ausland zu unterdrücken: "Das ist Mobbing."

Ant gilt als das am höchsten bewertete Fintech-Unternehmen der Welt. Zuletzt wurde der Firmenwert auf mehr als 200 Milliarden Dollar taxiert. Mit Alipay betreibt Ant Financial den dominierenden Bezahldienst in China und bietet über die Apps auch Kredite, Versicherungen und Vermögensmanagement-Dienste an. Im ersten Halbjahr hat der Konzern laut seinem Wertpapierprospekt einen operativen Gewinn von umgerechnet rund 3 Milliarden Euro eingefahren - nach gut 500 Millionen Euro im gleichen Vorjahreszeitraum. Der Umsatz wuchs um 38 Prozent auf 9 Milliarden Euro.

Was bisher im Zusammenhang mit dem geplanten Börsengang durchgesickert ist: Ant will 10 bis 15 Prozent der Unternehmensanteile verkaufen und dabei - wie oben bereits erwähnt - 35 Milliarden Dollar erlösen. Bleibt es bei diesem Emissionsvolumen, würde der Konzern damit den saudi-arabischen Ölriesen Aramco vom Thron stoßen: Dessen Börsengang im Dezember 2019 war mit 29,4 Milliarden Dollar bis dato der weltweit größte.(kle/del)