Das Ergebnis der Schweizerischen Nationalbank (SNB) dürfte im dritten Quartal 2020 stark von der Erholung der Aktienmärkte profitiert haben. Die Ökonomen der Großbank UBS schätzen für die Periode von Juli bis September einen Überschuss von rund 15 Mrd. Franken (14 Mrd. Euro). Nach einem Gewinn von 0,8 Milliarden im ersten Halbjahr wäre das für den Zeitraum von Jänner bis September 2020 ein Überschuss von rund 16 Mrd. Franken.

Das dritte Quartal verlief laut UBS im Vergleich zur ersten Jahreshälfte für die SNB relativ ruhig. Die Wirtschaft in der Schweiz und in anderen europäischen Ländern erholte sich im Sommer von den Auswirkungen des Lockdowns. In der Folge legten auch die Aktienpreise laut UBS global um 6,5 Prozent zu. Die Experten der UBS gehen davon aus, dass die SNB auf ihrem Aktien-Portefeuille von rund 170 Mrd. Franken eine ähnliche Rendite erzielt hat.

Unterstützt wurde das SNB-Ergebnis, das am kommenden Freitag (30. Oktober) veröffentlicht wird, auch von den steigenden Goldnotierungen. Diese sind in US-Dollar um über 6 Prozent geklettert. Allerdings gab gleichzeitig der US-Dollar nach, womit in Schweizer Franken der Kursgewinn halb so hoch ausfällt. Auf Goldbestände von 56 Milliarden Franken Ende Juni ergibt das aber einen Gewinn von rund 2 Milliarden.

Regelmäßige Einnahmen von 4 Mrd Franken

Des Weiteren dürften der SNB auch noch 4 Mrd. Franken an regelmäßigen Einnahmen zugeflossen sein in Form von Zins- und Dividendenzahlungen sowie Negativzinsen.

Im Februar dieses Jahres haben sich das Finanzdepartement (Finanzministerium) und die SNB auf neue Modalitäten bei den Gewinnausschüttungen für die Geschäftsjahre 2019 und 2020 geeinigt. Übersteigt die Ausschüttungsreserve nach Gewinnverwendung den Wert von 40 Mrd. Franken, werden 4 Milliarden ausgeschüttet. Bei einer Ausschüttungsreserve von fast 100 Milliarden würde selbst ein Verlust wie in diesem Frühjahr (fast 40 Mrd. Franken) die maximale Ausschüttung für Bund und Kantone nicht gefährden, so die UBS weiter.

Das Ergebnis der SNB ist bekanntlich vor allem eine Folge ihrer Geldpolitik. Um den Franken zu schwächen bzw. nicht zu stark werden zu lassen, hat die Nationalbank neben der Einführung der Negativzinsen vor allem ihre Devisenreserven in den vergangenen Jahren stark erhöht und damit Anleihen und Aktien in verschiedenen Währungen gekauft. Letztes Jahr hat sie damit einen Gewinn von 49 Mrd. Franken erzielt. (awp/sda)