Die EZB könnte aus Sicht von Notenbank-Direktorin Isabel Schnabel die Einlagezinsen für Geldhäuser noch tiefer in den negativen Bereich herabsetzen. "Unsere Analysen zeigen, dass eine weitere Senkung möglich wäre, ohne an den Punkt zu gelangen, an dem sie nicht mehr wirkt oder sogar schadet", sagte sie dem "Handelsblatt" laut Vorausbericht vom Dienstag.

Es gebe aber keine Vorentscheidung in diese Richtung. "Wir wägen bei jeder Entscheidung ab, wie sie wirkt, ob sie verhältnismäßig ist und welche Nebenwirkungen sie hat."

Zu möglichen neuen Hilfsmaßnahmen der Notenbank sagte sie, vor jeder geldpolitischen Entscheidung stelle sich die EZB die Frage, was in der gegebenen Situation am geeignetsten sei. "Die Situation heute ist anders als im März. Das wird sich vermutlich in der Ausgestaltung der Instrumente widerspiegeln." Damals sei es zunächst darum gegangen, die Finanzmärkte zu stabilisieren. "Heute sind die Finanzierungsbedingungen hingegen historisch günstig."

Zinshüter loten weitere Hilfen aus

Die Währungshüter der EZB wägen derzeit ab, ob sie in einem neuen Konjunkturpaket auch ein älteres weniger großzügiges Anleihenkauf-Kaufprogramm einsetzen sollen. Regierungen könnten damit angeregt werden, sich in ihrer Haushaltspolitik Mittel aus dem neuen EU-Wiederaufbaufonds für grüne und digitale Investitionen zu leihen, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen.

Die nächste Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) ist für den 10. Dezember geplant. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte vergangene Woche die Tür für ein neues Corona-Stützungspaket für die Wirtschaft weit aufgestoßen.

Den Insidern zufolge loten die Euro-Wächter aus, ob sie ihr inzwischen auf 1,75 Billionen Euro angelegtes Pandemie-Kaufprogramm PEPP erneut aufstocken sollen, das ihnen erhebliche Flexibilität beim Kauf von Staatsanleihen stark von der Krise betroffener Länder einräumt, oder ihr 2015 aufgelegtes Kaufprogramm APP. Unter diesem müssen Anleihenkäufe viel stärker die jeweilige Größe eines Landes widerspiegeln - was im sogenannten Kapitalschlüssel festgehalten ist, der sich an Wirtschaftskraft und Bevölkerungszahl orientiert. (apa/reuters)