Nach der US-Präsidentschaftswahl mit weiterhin ungewissem Ausgang zeichnen sich am Mittwochmorgen Kursverluste am europäischen Aktienmarkt ab. Noch ist in den USA nichts entschieden. Das Rennen zwischen Amtsinhaber Donald Trump und seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden ist knapp.

"Jetzt ist genau das passiert, was vor der Wahl so ganz und gar nicht das Wunsch-Szenario der Börsen war, es zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Trump und Biden ab", erklärte Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets.

Der Euro-Stoxx-50 als Leitbarometer der Eurozone wird 0,7 Prozent tiefer erwartet. Der X-DAX als Indikator für den deutschen Leitindex signalisierte knapp eine Stunde vor dem Xetra-Start ein Minus von 0,43 Prozent auf 12.037 Punkte.

Seit Wochenbeginn hat sich der DAX bisher kräftig von seinen Verlusten der Vorwoche im Zuge der jüngsten Zuspitzung der Corona-Krise erholt. Am Vortag hatte er - getragen von der Hoffnung auf einen klaren US-Wahlausgang - um mehr als zweieinhalb Prozent zugelegt und die runde Marke von 12.000 Punkten zurückerobert. Statt Klarheit herrscht nun jedoch weiter Unsicherheit, weshalb sich die Investoren nun wieder etwas stärker zurückhalten.

Schwankungen in Sicht

Bis ein klares Ergebnis im Rennen zwischen Trump und dem Demokraten Biden feststehe, müssten sich die Anleger auf größere Schwankungen an den Finanzmärkten einstellen, sagte der Chefanlagestratege der Vermögensverwaltung der schweizerischen Bank UBS, Mark Haefele.

Und Analyst Jeffrey Halley vom Broker Oanda sieht den Markt gegenwärtig in einer "Analyse-Paralyse". Die Anleger seien voll mit Richtungsprognosen für einzelne Vermögensklassen für verschiedene Ausgangsszenarien beschäftigt, so der Experte. Er rät, sich nicht festzulegen, und die "Show" von der Seitenlinie aus anzuschauen.

Zudem geht in Deutschland die Berichtssaison weiter mit den Zahlen der DAX-Konzerne Vonovia und BMW. Aus dem MDax berichten mit dem Online-Modehändler Zalando ein Krisengewinner und dem Flughafenbetreiber Fraport ein Krisenverlierer über ihre jüngste Geschäftsentwicklung.

Optimusmus bei Vonovia

Beim Immobilienkonzern Vonovia lobten Börsianer den 2021er-Ausblick, der noch besser sei als die bereits optimistischen Erwartungen. Auf Tradegate gewannen die Papiere rund ein Prozent zum Xetra-Schluss.

Fraport habe auf den ersten Blick sehr schwache Quartalszahlen vorgelegt, sagte ein Händler. Auch die Umsatzprognose für 2020 falle schwächer aus. Verglichen mit dem Xetra-Schlusskurs verloren die Aktien auf Tradegate fast drei Prozent.

Zalando notierten nur wenig verändert. Der Trend zum Online-Kauf in der Corona-Krise sorgt bei dem Konzern weiter für Schwung. Ebenfalls nach Quartalszahlen tendierten die Anteile von Hannover Rück vorbörslich etwas schwächer. (apa)