Nach dem überraschenden Rücktritt des türkischen Finanzministers Berat Albayrak, Schwiegersohn von Präsident Recep Tayyip Erdogan, ist der Kurs der türkischen Lira am Montag stark gestiegen. Zu Handelsbeginn wurden 8,40 Lira für einen Dollar gehandelt, kurz darauf nur noch 8,19 Lira. Der Kurs stieg damit um rund 2,5 Prozent.

Albayrak hatte am Sonntag seinen Rücktritt wegen gesundheitlicher Probleme erklärt. Zudem wolle er mehr Zeit mit seiner "vernachlässigten" Familie verbringen. Der 42-Jährige hatte das Amt des Finanzministers 2018 übernommen, nachdem er zuvor drei Jahre Energieminister war. Albayrak ist mit Erdogans älterer Tochter Esra verheiratet.

Albayraks Rückzug folgte nur einen Tag auf die Entlassung des Chefs der türkischen Zentralbank, Murat Uysal. Sein Nachfolger ist der frühere Finanzminister Naci Agbal. Türkische Medien spekulierten, Albayrak sei gegen die Ernennung Agbals gewesen.

Ohne Begründung entlassen

In der Nacht zu Samstag hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ohne Begründung Zentralbank-Chef Murat Uysal entlassen. Sein Nachfolger Agbal war von 2015 bis 2018 Finanzminister des Landes. Am Sonntag war außerdem der türkische Finanzminister zurückgetreten. Inmitten der Währungskrise begründete Berat Albayrak (42), der Schwiegersohn Erdogans, den Rücktritt mit gesundheitlichen Gründen.

In seiner kurzen Stellungnahme machte der neue Notenbankchef Agbal nun außerdem deutlich, dass die angekündigten Maßnahmen wohl auf der kommenden Zinssitzung am 19. November beschlossen werden. Bis zur Zinssitzung würden die aktuelle Lage und die künftigen Erwartungen bewertet, hieß es. Außerdem werde die aktuelle Entwicklung genau beobachte.

Die türkische Lira hatten in den vergangenen Monaten dramatisch an Wert verloren. Am Freitagabend wurden 8,52 türkische Lira für einen Dollar gehandelt. Seit Beginn des Jahres büßte die türkische Währung damit fast 30 Prozent gegenüber dem US-Dollar ein.

Die Märkte sind besorgt über die anhaltend hohe Inflation und den starken Rückgang der Devisenreserven in der Türkei. Zudem steckt das Land in einer Wirtschaftskrise. (afp)