Die Aussicht auf einen bald verfügbaren Corona-Impfstoff kann dem Institut für Weltwirtschaft (IfW) zufolge der deutschen Konjunktur auf die Sprünge helfen. "Ein wirksamer und nebenwirkungsarmer Impfstoff ändert alles", sagte IfW-Präsident Gabriel Felbermayr am Dienstag zur Nachrichtenagentur Reuters.

"Wenn damit zunächst die Risikopersonen wirklich effektiv geschützt werden können, könnte man in vielen Bereichen des sozialen Konsums wie zum Beispiel im Kulturbereich, der Gastronomie oder dem Beherbergungsgewerbe zur Situation im Sommer zurückkehren", sagte der aus Österreich stammende Experte. Sobald die deutsche Bevölkerung zu 50 bis 60 Prozent durchgeimpft sei, wären wohl gar keine Einschränkungen mehr notwendig.

Bisher gehen die Prognosen des IfW davon aus, dass die Pandemie ab Frühjahr 2021 erfolgreich zurückgedrängt werden kann. Dann wäre 2021 ein Wachstum des Pro-Kopf-Einkommens in Deutschland von vier bis fünf Prozent möglich. "Das Eintreten dieser Annahme wird nun zusehends realistischer", sagte Felbermayr. "Die Voraussetzung ist, dass der Impfstoff auch tatsächlich für viele Hunderte Millionen Menschen weltweit produziert und verabreicht werden kann."

EU verhandelt Liefervertrag mit Biontech und Pfizer

Positive Ergebnisse bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffes haben weltweit die Hoffnung auf eine erfolgreiche Bekämpfung der Pandemie geschürt. BioNTech und Pfizer sind die weltweit ersten Unternehmen, die erfolgreiche Daten aus der für eine Zulassung entscheidenden Studie mit einem Corona-Impfstoff vorgelegt haben. Sie wollen 2020 weltweit bis zu 50 Millionen Impfstoffdosen herstellen und 2021 bis zu 1,3 Milliarden.

Der vielversprechende Impfstoff von Biontech und Pfizer soll rasch auch in der Europäischen Union zur Verfügung stehen. Die EU-Kommission hat bereits einen Vertrag zur Lieferung des vielversprechenden Impfstoffs der Pharmafirmen Biontech und Pfizer fertig ausgehandelt, hieß es am Dienstag aus Kommissionskreisen in Brüssel. Die EU-Staaten hatten sich geeinigt, dass die EU-Kommission in ihrem Namen die Verhandlungen über den Bezug von Impfstoffen führt. Nach Vertragsabschluss haben alle 27 Länder gleichzeitig Zugriff auf erste Lieferungen. Sie werden nach Bevölkerungsstärke verteilt. (apa)