Der deutschen Wirtschaft droht laut Ökonomen durch die geplante Verlängerung des Teil-Lockdowns ein erneuter Rückschlag. "Wenn das so kommt, steigt die Wahrscheinlichkeit eines leichten Rückgangs des deutschen Bruttoinlandsproduktes im vierten Quartal", sagte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, am Montag .

Ähnlich sieht das ING-Chefvolkswirt Carsten Breszki: "Eigentlich ist ein Double Dip definitiv nicht mehr zu vermeiden" - also ein erneuter Rückgang der Wirtschaftsleistung wie schon in den beiden ersten Quartalen 2020.

Die Dienstleister würden bereits seit September schwächeln. Der Lockdown habe diesen Trend noch verstärkt. "Hinzu kommt der psychologische Effekt. Nie zu unterschätzen, denn Wirtschaft ist zu einem großen Teil Psychologie", sagte Brzeski. "Unsicherheit und Undeutlichkeit, das Fehlen einer Perspektive, wie lange die Maßnahmen dauern sollen, wird auf Verbraucher- und Unternehmensvertrauen wiegen."

Vor weiterer Gastronomie-Schließung bis 20. Dezember

Bund und Länder dürften am Mittwoch mit großer Sicherheit weiterreichende Corona-Maßnahmen beschließen. In einer Ländervorlage von Sonntag, die Reuters vorliegt, ist von einer weiteren Schließung von Gastronomie und Freizeiteinrichtungen bis zum 20. Dezember die Rede.

Die exportabhängige Industrie allein dürfte die Einbrüche dort nicht wettmachen können - trotz eines guten Starts ins vierte Quartal. "Gründe dafür sind Nachholbedarf und der starke Aufschwung in Asien", sagte Brzeski zum positiven Quartalsauftakt der Industrie. "Angesichts der Tatsache, dass sich fast die gesamte westliche Welt zum Jahresende wieder in einer Form des Lockdowns befindet, ist es schwer vorstellbar, dass China den deutschen Double Dip im vierten Quartal verhindern kann."

Europas größte Volkswirtschaft war im Frühjahr wegen der ersten Welle der Pandemie in die Knie gegangen: Sie schrumpfte mit 9,8 Prozent so stark wie noch nie. Dem folgte im Sommer eine kräftige Erholung mit einem Wachstum von 8,2 Prozent. Auch diesmal rechnet Schmieding mit einer raschen Erholung. "Sobald die Restriktionen gelockert werden, wird die Wirtschaft das wieder aufholen", sagte der Chefvolkswirt. "Der positive Ausblick für 2021 würde sich dadurch nicht eintrüben."

Gastrobranche: Novemberhilfen zu Winterhilfen ausweiten

Unterdessen fordert die deutsche Gastronomiebranche im Fall einer Verlängerung der harten Corona-Beschränkungen weitere Hilfen. "Wenn die Politik am Mittwoch eine weitere Schließung von Hotels und Restaurants beschließt, muss es zeitgleich auch eine Zusage zur Fortführung dieser Hilfen geben. Aus der Novemberhilfe muss eine Winterhilfe werden", sagte Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Dehoga-Bundesverbands, der "Rheinischen Post" (Montag).

Bereits von März bis Ende November habe der Umsatzverlust für die Branche 32 Milliarden Euro betragen, sagte Hartges. Sie verwies auf die Wichtigkeit des Weihnachtsgeschäftes für die Betriebe. Im Dezember 2019 habe die Branche einen Nettoumsatz von 8 Milliarden Euro erzielt. (reuters/dpa)