Der nach Luftbuchungen kollabierte deutsche Zahlungsabwickler Wirecard hat die Sonderprüfung seiner Bilanz nach Darstellung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG massiv behindert. Dokumente seien immer wieder nicht oder nur verspätet übergeben worden, Interviews regelmäßig verschoben worden, sagte der KPMG-Mitarbeiter Alexander Geschonneck am Donnerstag vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu dem milliardenschweren Finanzskandal. "Es kam zu erheblichen Verzögerungen."

Im untersuchten Zeitraum von 2016 bis 2018 seien keine angemessenen Nachweise des in Aschheim bei München ansässigen - unter österreichischer Führung stehenden - Unternehmens für angeblich vorhandene Zahlungseingänge und Kontoguthaben im Asiengeschäft erbracht worden.

KPMG wurde im Herbst 2019 von Wirecard mit einem Sondergutachten beauftragt, weil damals bereits zahlreiche Vorwürfe in Medien zu Bilanzunregelmäßigkeiten erhoben wurden. KPMG legte seinen kritischen Bericht dann Ende April 2020 vor - "nach erheblichen Hürden und Hindernissen von Wirecard", so Geschonneck. Im Juni rutsche der einstige DAX-Konzern in die Pleite, als die Luftbuchungen endgültig öffentlich wurden.

Milliardenschäden für Anleger und Banken

Die Münchner Staatsanwaltschaft wirft Ex-Chef Markus Braun und weiteren Wirecard-Managern gewerbsmäßigen Bandenbetrug, Bilanzfälschung und Marktmanipulation vor. Das Unternehmen soll sich jahrelang schöngerechnet und damit Anlegern und Banken Milliardenschäden zugefügt haben.

Der Untersuchungsausschuss des Bundestages hat laut SPD-Politiker Jens Zimmermann zahlreiche Dokumente von KPMG erhalten. Der eigentliche Wirecard-Bilanzprüfer EY (Ernst & Young) habe bis zum April 2020 an die Existenz von Wirecard-Treuhandkonten im Umfang von 1,9 Milliarden Euro geglaubt, die in der Bilanz fehlen. "Das suggerieren zumindest Unterlagen, die wir gesichtet haben", so Zimmermann. KPMG müsse den Ruf der Branche retten. FDP-Politiker Florian Toncar ergänzte, KPMG sei entscheidend für die Aufklärung des Falls. (reuters)