Merck, Sharp & Dohme (MSD) gehört mit rund 42 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz und 69.000 Mitarbeitern zu den größten Pharmakonzernen weltweit. In den vergangenen 25 Jahren wurden insgesamt sieben Impfstoffe zugelassen, vier davon von MSD. Nun entwickelt der US-Konzern mithilfe des österreichischen Unternehmens Themis auch einen Impfstoff gegen Covid-19.

MSD selbst hat drei Standorte in Österreich, zusammengefasst im gleichnamigen Tochterunternehmen MSD Österreich. 750 Mitarbeiter werden beschäftigt. Geschäftsführerin ist seit mehr als einem Jahr Ina Herzer. Im Gespräch gibt sie Einblick in die Wirksamkeit des Impfstoffes und Therapien für Impfgegner:

Ina Herzer ist Geschäftsführerin bei Merck, Sharp & Dohme (MSD) in Österreich, einem Tochterunternehmen des gleichnamigen US-Konzerns. Ina Herzer war als Managerin für die Online Marketing Strategie bei MSD in Deutschland tätig. Weitere Karrierestationen führten sie von der Produktmanagerin Diabetes zu europäischen Führungspositionen der Therapiebereiche Diabetes, Migräne und Diversified Brands sowie der globalen Leitung des kardiovaskulären Portfolios. - © MSD Österreich
Ina Herzer ist Geschäftsführerin bei Merck, Sharp & Dohme (MSD) in Österreich, einem Tochterunternehmen des gleichnamigen US-Konzerns. Ina Herzer war als Managerin für die Online Marketing Strategie bei MSD in Deutschland tätig. Weitere Karrierestationen führten sie von der Produktmanagerin Diabetes zu europäischen Führungspositionen der Therapiebereiche Diabetes, Migräne und Diversified Brands sowie der globalen Leitung des kardiovaskulären Portfolios. - © MSD Österreich

"Wiener Zeitung": Frau Herzer, MSD kaufte zuletzt das österreichische Unternehmen Themis um 350 Millionen Euro. Was hat ein österreichisches Unternehmen, was ein US-Konzern nicht hat?

Ina Herzer: Wir sind gerade als MSD Österreich sehr stolz, dass wir ein österreichisches Unternehmen in der gesamten MSD-Familie begrüßen dürfen. Wir wollen Durchbrüche in wichtigen Behandlungsbereichen erzielen, da wo es Bedarf gibt. Und das verbindet MSD und Themis. Nun können wir unsere Kräfte bündeln und unseren Beitrag in der Pandemie leisten.

Die ersten Impfstoffe gegen Covid-19 werden in den kommenden Wochen genehmigt. Davon ist der in der Entwicklung befindliche Impfstoff von Themis noch weit entfernt. Sind Sie zu spät?

Ich freue mich sehr, dass es bei der Impfstoffentwicklung vorangeht, weil wir das Thema gemeinsam als pharmazeutische Industrie sehen müssen. Es kann nur in unserem Interesse sein, wenn da Fortschritte erzielt werden. Ich glaube nicht, dass wir zu spät sind, weil mehrere, aber auch unterschiedliche Impfstoffe notwendig sind. Es gibt schließlich unterschiedliche Personengruppen mit unterschiedlichen Vorerkrankungen, jeder reagiert anders auf Covid-19. Es macht also Sinn, dass möglichst viele Unternehmen in der Impfstoffentwicklung mitteilhaben. Auch unser Impfstoff wird da seine Rolle finden.

Wann rechnen Sie mit der Marktreife Ihres Impfstoffes?

Das wäre jetzt nicht seriös, da genaue Angaben zu machen. Wir sehen auch bei den aktuell entwickelten Impfstoffen, dass sich Zeitverläufe jederzeit ändern können, je nachdem, was in den Studien passiert. Sicherheit und Qualität stehen für uns an erster Stelle und nicht, ob wir die Schnellsten sind.

Was sind die Vorteile Ihres Impfstoffs?

Wir haben bei Themis eine Plattform, die auf dem Masernvirus, also einem recht gut bekannten Virus, basiert. Wir konnten mit dieser Plattform schon viel Erfahrung sammeln, etwa beim Ebolavirus. Da haben wir einen gut verträglichen und wirksamen Impfstoff erarbeitet. Auch dieser Impfstoff wird gut verträglich und wirksam sein.

Wie viel gibt MSD für die Herstellung von Impfstoffen aus?

Die Herstellung ist extrem langwierig und aufwendig. Normalerweise dauert es 10 bis 15 Jahre, um einen Impfstoff herzustellen. Wir erzielen einen jährlichen Gesamtumsatz von 42 Milliarden US-Dollar, davon fließen stets 10 Milliarden US-Dollar in Forschung und Entwicklung.

Es gibt Menschen, die Impfungen schlecht vertragen oder schlichtweg dagegen sind, sich impfen zu lassen. Wie kann man sie vor Covid-19 schützen?

Wir wollen dafür sorgen, dass sich die Einstellung bei diesen Menschen ändert. Mit einer guten Informationspolitik kann man da viel bewegen.

Sie arbeiten auch an einer Therapie für Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen.

Wir forschen derzeit an zwei Therapien. Einmal in Kooperation mit Ridgeback Bio, wo wir eine Therapie gegen leichte bis mittelschwere Covid-19-Krankheitsverläufe entwickeln. Die Therapie unterbricht den für das Virus wichtigen Kopiervorgang, indem es die Vermehrung des viralen Erbguts negativ beeinträchtigt. Weiters entwickeln wir seit kurzem mit OncoImmune ein Medikament, das insbesondere gegen die schwersten Folgen durch das Coronavirus eingesetzt werden kann.

Wie funktioniert diese Therapie?

Diese Therapie basiert auf einem Prinzip, das die Aktivität des Virus im Körper blockiert. Ein sogenanntes rekombinantes Fusionsprotein hilft, die überschießende Entzündungsreaktion bei schweren und kritischen Verläufen wieder in normale Bahnen zu lenken. Da sind wir in der klinischen Studie Phase 3, also sehr weit im Studienverlauf.

Die Pharmabranche hatte in den vergangenen Jahren nicht den besten Ruf. Seit Covid-19 setzt die ganze Welt jedoch ihre Hoffnung in die Branche, damit sie uns von dem Virus befreit. Könnte es bei Erfolg einen dauerhaften Imagewandel geben?

Wir haben die Verantwortung als Industrie entsprechende Produkte anzubieten, um die Pandemie zu beenden, damit wir wieder in ein normales Leben einschwenken können. Es gibt durch die aktuelle Situation tatsächlich die Möglichkeit viel stärker in den Dialog zu treten. Ich glaube, wir können jetzt noch klarer zeigen, wie die pharmazeutische Industrie arbeitet.