Deutschland stärkt der von der Corona-Krise gebeutelten Luftfahrtbranche finanziell den Rücken. Die staatliche Flugsicherung DFS bekommt eine Erhöhung des Stammkapitals von 300 Mio. Euro, wie nach der Bereinigungssitzung des Deutschen Bundestags-Haushaltsausschusses am Freitag bekannt wurde. DFS-Chef Klaus-Dieter Scheurle sagte, dies decke einen großen Teil der Corona-bedingten Umsatzausfälle ab.

"Den Rest des durch den Einbruch des Luftverkehrsaufkommens entstandenen Ausfalls gleicht die DFS mit Einsparmaßnahmen einerseits und durch Eigenmittel aus." Airlines hatten befürchtet, dass die Flugsicherung bei zu großen Einbußen durch die Virus-Pandemie ihre Gebühren deutlich erhöhen könnte.

Hauptstadtflughafen BER soll 171,6 Mio. Euro bekommen

Der Haushaltsausschuss machte auch den Weg frei für die Unterstützung von Flughäfen, an denen der Bund beteiligt ist. So soll der neu eröffnete Hauptstadtflughafen BER 171,6 Mio. Euro bekommen, der Münchner Airport 65,8 Mio. Euro und der Flughafen Köln/Bonn 23,2 Mio. Euro. Unions-Haushälter Eckhardt Rehberg (CDU) sprach von einem legitimen Schritt. "Wenn du Miteigentümer bist, musst du auch ausgleichen." Die Mittel sollen fließen, wenn auch die anderen Airport-Eigner Geld zur Verfügung stellen.

Ferner soll kleineren Flughäfen für 2021 die Zahlung der Flugsicherungsgebühren von rund 20 Mio. Euro erlassen werden. "Dieser Schritt ist seit Jahren überfällig und sorgt endlich für einen fairen Wettbewerb", erklärte die Interessengemeinschaft der regionalen Flugplätze (IDRF). Denn bisher müssen die 16 großen Flughäfen nicht für die Kosten der bundeseigenen Flugsicherung aufkommen, während die rund 40 regionalen Flugplätze diese Kosten selbst zu tragen haben.

Eine Einigung zwischen Bund und Ländern über ein Rettungspaket von einer Milliarde Euro für alle deutschen Flughäfen steht noch aus. Verhandelt wird derzeit über eine Kostenbeteiligung von 50:50. Beim Luftverkehrsgipfel hatten Bund und Länder beschlossen, den Airports finanziell über die Krise hinwegzuhelfen.

BER schließt vorübergehend Schönefeld-Terminal und Landebahn

Kurz nach der Eröffnung schließt der Hauptstadtflughafen BER ein Terminal und eine Landebahn vorübergehend. Grund sei, dass der Flugverkehr zuletzt weiter drastisch eingebrochen sei, sagte BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup am Freitag nach einer Aufsichtsratssitzung. "Deswegen müssen wir sparen." Die Zahl der Passagiere dürfte 2020 auf neun Millionen fallen und auch im nächsten Jahr mit erwarteten zehn Millionen nur 30 Prozent des Vorkrisenniveau erreichen. Deshalb nehme man ab Dezember die südliche Start- und Landebahn vom Netz, sagte Lütke Daldrup. Zudem soll das Terminal 5 - der alte Airport Schönefeld - etwa ab dem Frühjahr für ein Jahr geschlossen werden.

Wegen der Corona-Krise müssten die drei Eigner Berlin, Brandenburg und der Bund die BER-Betreibergesellschaft FBB auch 2021 deutlich finanziell unterstützen, sagte Lütke Daldrup. Es seien bereits Darlehensverträge über 660 Millionen Euro ausgehandelt worden. Ziel sei es aber, nicht die komplette Summe in Anspruch zu nehmen. Die FBB werde sparen, im ganzen nächsten Jahr wohl einen Großteil der Belegschaft in Kurzarbeit haben und Investitionen verschieben. Wenn man die Betriebskosten schrittweise anpassen könne, sei es weiter möglich - wie ursprünglich geplant - 2025 Gewinn zu machen. (apa, Reuters)