Geschlossene Boutiquen und Kaufhäuser, kaum Touristen: Die Hersteller von Luxusgütern wie hochwertige Bekleidung, Schuhe, Taschen, Parfüm, Uhren und Schmuck kämpfen in der Corona-Krise mit deutlichen Umsatzeinbrüchen. Heuer wird die Luxus-Branche eine Einbuße von voraussichtlich 23 Prozent von 281 Milliarden auf 217 Milliarden Euro erleiden, schätzt die internationale Unternehmensberatung Bain & Company. Das Marktvolumen schrumpft damit auf das Niveau von 2014.

Auch das erweiterte Luxusgeschäft inklusive Kunst, Gourmetwaren, Yachten, Privatfliegern und Edelautos sowie besonderen Reisen verliert deutlich. Es geht ebenfalls um gut ein Fünftel auf rund eine Billion Euro zurück.

Bei den persönlichen Luxusgütern macht die Corona-Krise besonders den Herstellern hochwertiger Kleidung und edler Uhren zu schaffen. Sie müssen 2020 beim Umsatz mit einem Minus von 30 Prozent rechnen. Glimpflicher läuft es für die Schuhproduzenten. Sie werden rund 12 Prozent weniger umsetzen, weil unter anderem das Sneaker-Segment geringere Einbußen verzeichnete.

Wachstum nur in China

Lediglich in China könne wegen der schnellen Erholung der Wirtschaft nach Eindämmung der Corona-Pandemie die Luxusbranche Wachstum verzeichnen. Im Reich der Mitte wird der Markt 2020 laut Bain-Studie um 45 Prozent auf 44 Milliarden Euro zulegen. Da die chinesischen Konsumenten nicht mehr ins Ausland reisen konnten, kauften sie Luxuswaren überwiegend lokal ein.

In Europa wird durch die ausbleibenden Touristen das Geschäft mit Edelmarken 2020 voraussichtlich auf 57 Milliarden Euro abrutschen, was einem Minus von 36 Prozent gegenüber 2019 entspricht. Der amerikanische Doppelkontinent dürfte einen Einbruch von 27 Prozent auf 62 Milliarden Euro verzeichnen.

Die schrumpfenden Umsätze der Luxusmarken wirken sich überproportional stark auf die Margen aus. Gegenüber dem Vorjahr fallen die Gewinne 2020 der Bain-Studie zufolge um 60 Prozent. Zwar werde die Branche 2021 etwa die Hälfte davon wieder gutmachen, die Profitabilität bleibe jedoch zunächst unter dem gewohnten Niveau, da die Unternehmen ihre Kosten für Design, Produktion und Vertrieb auch bei verringerten Umsätzen nur wenig senken können, sagt Marie-Therese Marek, Associate Partner bei Bain und Retail-Expertin. Viele Luxusanbieter müssten trotz der momentan schwierigen Wirtschaftslage zusätzlich Geld in die Hand nehmen und investieren unter anderem in Marketing und Internetauftritt.

Online-Käufe nehmen zu

Die Marken-Anbieter müssten die Rolle ihrer stationären Shops neu definieren und der Kundschaft dort ein herausragendes Einkaufserlebnis bieten. Denn der Internetkauf werde gerade für die jüngeren Generationen auch im hochpreisigen Segment immer wichtiger, so Marek. Die Onlineumsätze der Edelmarken dürften sich laut Studie Ende des Jahres auf 49 Milliarden Euro belaufen, nach 33 Milliarden Euro 2019. Dies entspricht einem Anteil am gesamten Marktvolumen von fast 25 Prozent. Im vergangenen Jahr waren es noch 12 Prozent gewesen. Insgesamt aber liegen alle Produktkategorien 2020 weit unter dem Vorjahresniveau.(ede)