Der gerade beschlossene Lockdown wird nach Auffassung des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) volkswirtschaftlich teuer. "Jede Woche Lockdown dürfte rund 3,5 Milliarden Euro beim Bruttoinlandsprodukt kosten", sagte IAB-Forscher Enzo Weber am Montag. "Das wird die Beschäftigungsentwicklung in Deutschland noch einmal belasten", betonte Weber. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug im Jahr 2019 in Deutschland etwa 3,44 Billionen Euro.

Der Arbeitsmarkt dürfte nach Webers Einschätzung dennoch insgesamt vergleichsweise robust bleiben. Mittlerweile lägen viele Erfahrungen mit Lockdown-Maßnahmen vor und es existierten umfangreiche staatliche Stützungsmaßnahmen. Die bevorstehende Impfstoffzulassung gebe eine Perspektive auf ein Ende der akuten Corona-Phase. "Viele Betriebe werden deshalb versuchen, ihre Beschäftigten zu halten. Dennoch wird es einen Rückschlag am Arbeitsmarkt geben", sagte Weber.

Sorgen um eigene wirtschaftliche Lage wachsen

Unterdessen verschärfen sich die Sorgen der deutschen Bürger um die eigene wirtschaftliche Lage und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Corona-Krise. Im November berichteten bereits 40 Prozent der Befragten von eigenen Einkommenseinbußen, lautet eines der Ergebnisse einer am Montag veröffentlichten Auswertung der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung. Im Juni hatten das erst 32 Prozent gesagt.

In der mittlerweile dritten Welle der Arbeitnehmerbefragung zeigte sich erneut, dass Menschen mit niedrigen Einkommen häufiger von Einbußen betroffen sind als solche mit hohen Einkommen. Mehr als jeder zweite Beschäftigte mit einem Monatseinkommen von bis zu 1.500 Euro hat bereits Einschnitte erlebt, während oberhalb von 2.000 Euro nur gut jeder Dritte bereits die Krise im eigenen Geldbeutel spürt. "Die Pandemie verstärkt bestehende soziale Schlagseiten", erklärte die wissenschaftliche Direktorin des WSI-Instituts, Bettina Kohlrausch.

Zustimmung zum Krisenmanagement der Regierung nimmt ab

In der Folge hat auch die Zustimmung zum Krisen-Management der deutschen Regierung abgenommen. Nur noch 55 Prozent zeigten sich zufrieden oder sehr zufrieden mit den Maßnahmen. 90 Prozent machen sich Sorgen um den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Empfänglichkeit für Verschwörungstheorien sei aber zurückgegangen.

Die Wissenschafter stützen sich auf eine Erwerbspersonenbefragung der Böckler-Stiftung mit mehr als 6.000 Teilnehmern, die bisher in drei Wellen im April, Juni und November Auskunft gegeben haben. Über die jüngsten Ergebnisse hat zuvor die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. (dpa)