Der teilstaatliche Energiekonzern OMV hat seine 285 Tankstellen in Deutschland verkauft. Käuferin ist die britische EG Group. Sie übernimmt das Geschäft mit Schwerpunkt Bayern und Baden-Württemberg um 485 Millionen Euro. "Wir freuen uns über das hohe Interesse an unserem Tankstellengeschäft in Deutschland und über die Vereinbarung mit EG Group. Wir setzen damit einen weiteren entscheidenden Schritt unseres angekündigten Devestitionsprogramms von 2 Milliarden Euro und realisieren mit dieser Veräußerung einen Entschuldungseffekt für die OMV von etwa einer halben Milliarde Euro zum Zeitpunkt des Closings", wird Rainer Seele, Vorstandsvorsitzender der OMV, in einer Aussendung zitiert. Der Unternehmenswert beläuft sich auf rund 614 Millionen Euro. Im Zuge der Übernahme erklärt sich die EG Group auch bereit, ausstehende Leasingverpflichtungen zu übernehmen.

Cash für Borealis-Deal

Der Verkaufserlös ist auch ein Finanzierungsbeitrag für die Übernahme weiterer Borealis-Anteile. Zur Erinnerung: Im Frühjahr hat die OMV weitere 39 Prozent an ihrer Tochter Borealis übernommen und hält nunmehr 75 Prozent am Chemiekonzern. Der höchst umstrittene Kaufpreis belief sich auf satte 3,8 Milliarden Euro. Die Übernahme geschah zudem inmitten der ersten Corona-Welle, als der Gewinn der Borealis massiv eingebrochen war.

Die OMV-Spitze verteidigte den Kauf dennoch mit dem Argument, dass die Corona-Effekte nur eine Momentaufnahme seien und nur wenig über den künftigen Wert des Unternehmens aussagen würden. Neben dem Tankstellennetz in Deutschland hat die OMV auch Anteile an ihre Pipeline-Tochter Gasconnect verkauft. Der heimische Stromriese Verbund hat 437 Millionen Euro für 51 Prozent an der Gas Connect GmbH bezahlt.

Mit der Übernahme will die OMV immer mehr weg von der Ölförderung hin zur Ölverarbeitung und Veredelung. Mit Borealis wird etwa gerade an einem Verfahren zum Recyceln von Erdöl gearbeitet, das etwa in der Kunststoffindustrie zur Anwendung kommen kann.

"Wir wollen grundsätzlich von Erdöl als Energieträger weggehen", sagt ein OMV-Sprecher gegenüber der "Wiener Zeitung". Unter Rainer Seele an der Konzernspitze hat das Gasgeschäft an Bedeutung gewonnen. Es macht 60 Prozent im Upstream, also in der Produktion aus. Nur mehr 40 Prozent entfallen auf Erdöl.

Seele setzt auf Gas als Überbrückungsenergieträger in der Zeit der Transformation des Energiesektors. Mit der Abkehr vom Öl als Verbrennungsstoff fügt sich die OMV in einen globalen Trend in der Ölwirtschaft. Dieser wurde durch Corona und dem damit einhergehenden Verfall des Ölpreises verstärkt.

Abkehr von Erdöl

Über das Jahr gerechnet hat die Ölindustrie laut der Internationalen Energieagentur (IEA) heuer um 33 Prozent weniger in die Erdölproduktion investiert. Internationale Ölriesen wie Shell, BP und Total haben angekündigt, bis 2050 klimaneutral werden zu wollen. Im Pariser Klimaabkommen, das vergangene Woche sein fünfjähriges Bestehen feierte, ist unter anderem vorgesehen, dass die Erdölindustrie 90 Prozent ihrer CO2-Emissionen bis 2050 einsparen muss.

BP hat im Sommer angekündigt, in den kommenden zehn Jahren seine Öl- und Gasproduktion um 40 Prozent einzuschränken. Der Konzern verkauft übrigens auch Kaffee. Der Bruch mit dem Erdöl ist vor allem in Europa bei Produzenten wie Shell, BP und eben auch der OMV zu beobachten. In der EU sind die Investitionen in Windparks, Solaranlagen und Biotreibstoffe, auch jene von großen Öl- und Gaskonzernen, in den vergangenen fünf Jahren laut IEA deutlich gestiegen. In den USA ist diese Trendwende noch nicht so stark zu beobachten, dort setzen Firmen wie Exxon Mobil und Co weiterhin auf die Ölexploration.(del)