Für die internationale Versicherungsbranche wird 2020 nach Schätzung des Rückversicherers Swiss Re das fünftteuerste Katastrophenjahr - und dabei sind die Schäden durch die Coronavirus-Pandemie noch nicht einmal berücksichtigt. Die Bewertung von Covid-19-Schäden und ihre Abrechnungen würden erheblich mehr Zeit als üblich benötigen, erklärte der Konzern aus Zürich am Dienstag.

Naturkatastrophen und von Menschen verursachte Unglücke verursachten im zu Ende gehenden Jahr weltweit einen wirtschaftlichen Schaden von 187 Milliarden Dollar (rund 154 Milliarden Euro), geht aus der Erhebung des Münchener-Rück-Konkurrenten hervor. Die Versicherungsbranche muss dabei für 83 Milliarden an Schäden geradestehen. Das ist Swiss Re zufolge die fünfthöchste Schadensumme seit 1970. Rund 8.000 Menschen verloren bei den versicherten Katastrophen ihr Leben oder werden noch vermisst.

Mit 76 Milliarden Dollar entfällt das Gros der versicherten Schäden auf Naturkatastrophen. Hauptursache waren laut Swiss Re dabei sogenannte sekundäre Naturgefahren wie Gewitter, Hagel, Überschwemmungen, Waldbrände oder Sturmfluten sowohl in Nordamerika als auch in Europa und Asien. Die sehr aktive Hurrikansaison mit einer Rekordzahl von Stürmen dagegen war für die Branche mit versicherten Schäden von 20 Milliarden Dollar vergleichsweise moderat. Swiss Re rechnet aufgrund des Klimawandels mit einer Zunahme der Schäden durch sekundäre Naturgefahren.

2019 mussten die Versicherer für Katastrophen 63 Milliarden Dollar bezahlen. Im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre beliefen sich die Schadenaufwendungen auf 79 Milliarden Dollar. Auf die Branche kommen 2020 allerdings noch die Kosten für die Coronavirus-Pandemie zu, die Analysten auf 30 bis 55 Milliarden Dollar veranschlagen.

Viele Tornados, Überschwemmungen und Hagelunwetter

Die Swiss-Re-Experten unterscheiden zwischen Naturkatastrophen und von Menschenhand verursachten Katastrophen. Dabei kletterten die versicherten Schäden aus Naturkatastrophen heuer um geschätzt 40 Prozent auf 76 Milliarden Dollar in die Höhe, während die sogenannten "Man-Made"-Schäden um 17 Prozent auf 7 Milliarden zurückgegangen sind.

Grund für den Anstieg in der Katastrophenbilanz der Versicherer waren laut Swiss Re die rekordhohe Zahl schwerer Konvektionsgewitter mit Tornados, Überschwemmungen und Hagel sowie die Waldbrände in den USA. Diese Ereignisse verursachten rund 70 Prozent der versicherten Schäden aus Naturkatastrophen.

Als äußerst aktiv bezeichnet Swiss Re auch die Hurrikansaison im Nordatlantik, wobei die Versicherungsschäden daraus mit 20 Milliarden Dollar im Vergleich zu den Rekordsaisons 2005 und 2017 moderat ausfielen. 2005 belasteten Hurrikane (u.a. "Katrina") die Bilanzen der Versicherer mit 87 Milliarden. 2017 betrug die Last nach der Hurrikanserie "Harvey", "Irma" und "Maria" gar 97 Milliarden.

Durch den Klimawandel dürften laut Swiss Re auch sekundäre Naturgefahrenereignisse und ihre Folgen schwerer ausfallen. Feuchtere Luft und steigende Temperaturen führten zu extremeren Wetterbedingungen und dies begünstige das Eintreten und die Ausbreitung von Waldbränden, Sturmfluten oder Überschwemmungen, heißt es. (reuters/sda)