Der britische Supermarktriese Sainsbury's befürchtet durch die Unterbrechung des Frachtverkehrs schon bald Lieferengpässe. Sollte Frankreich seine Grenzen wegen der in Großbritannien grassierenden neuen Coronavirus-Variante weiter geschlossen lassen, könnten bestimmte Salat-, Gemüse- und Obstsorten knapp werden.

"Wenn sich nichts ändert, werden in den kommenden Tagen Kopfsalat, einige Blattgemüse, Karfiol, Brokkoli und Zitrusfrüchte in den Regalen fehlen", erklärte die zweitgrößte Supermarktkette des Vereinigten Königreichs am Montag. Sainsbury's forderte die Regierungen in London und Paris auf, für eine sofortige Abfertigung von Lebensmittellieferungen an den Häfen zu sorgen.

Um eine Verbreitung der neuen Corona-Variante aus Großbritannien zu verhindern, hat Frankreich nicht nur den Reise-, sondern auch den Frachtverkehr gestoppt. Damit können keine Lastwagen den englischen Hafen Dover verlassen, um neue Ware zu holen. So ist wenige Tage vor dem endgültigen Ausstieg der Briten aus der EU der Haupthandelsweg zwischen Großbritannien und Kontinentaleuropa unterbrochen. Der britische Einzelhandelsverband teilte mit, viele Geschäfte hätten vor Weihnachten Vorräte angelegt, so dass es zu keinen unmittelbaren Problemen komme. Dazu erklärte Sainsbury's, alles für "das große britische Weihnachtsessen" sei schon in großen Mengen im Land.

Lager derzeit noch gefüllt

Angesichts geschlossener Grenzen und unterbrochener Fährverbindungen warnen verschiedene britische Verbände vor Versorgungsengpässen. "Das ist eine Hauptversorgungsroute für frische Produkte in dieser Jahreszeit", sagte der Lebensmittelexperte des Handelsverbandes BRC, Andrew Opie, einer Mitteilung zufolge. Nur wenige Fuhrunternehmen würden die Gefahr eingehen, ihre Fahrer nach Großbritannien zu schicken - ohne eine Garantie, dass diese auf den Kontinent zurückkehren können. Der Chef des Transportverbands RHA, Richard Burnett, sagte am Montag dem Sender BBC Radio 4, der Transport frischer und verderblicher Waren sei nun die größte Herausforderung.

Der BRC forderte die britische Regierung und die EU auf, sobald wie möglich eine pragmatische Lösung zu finden, um Störungen bei Lieferungen zu Weihnachten möglichst zu vermeiden. Derzeit seien die Lager gefüllt. "Aber jede längere Schließung der französischen Grenze wäre ein Problem", sagte Opie. Normalerweise würden in der Vorweihnachtszeit etwa 10.000 Lastwagen täglich den Ärmelkanal überqueren. (reuters/dpa)